Kurzsichtigkeit (Foto: picture-alliance / dpa, Stafan Puchner)

Studie von Tübinger Augenheilkundlern Warum macht Lesen kurzsichtig?

Wer viel liest, wird kurzsichtig. Das scheint eindeutig zu sein. Doch warum das so ist, das ist bisher unklar. Jetzt haben Tübinger Forscher eine neue Theorie entwickelt.

Kurzsichtigkeit sei der Preis für gute Ausbildung, heißt es in dem Artikel der Tübinger Augenheilkundler um Prof. Frank Schaeffel in einer renommierten Wissenschaftszeitschrift: Pro Jahr Ausbildung werde man im Mittel etwa eine Viertel-Dioptrie kurzsichtiger. Weltweit nehme die Kurzsichtigkeit zu. Denn gute Ausbildung werde immer wichtiger. Kinder, die viel Zeit im Freien bei Tageslicht verbracht haben, werden später kurzsichtig.

Tübinger Studie zu Kurzsichtigkeit (Foto: Schaeffel/Forschungsinstitut für Augenheilkunde)
Unterschiedliche Textkontraste beeinflussen das Wachstums des Auges. Schaeffel/Forschungsinstitut für Augenheilkunde

Augenwachstum beeinflussen

Die Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Augenheilkunde haben nun herausgefunden, dass Lesen bereits nach einer halben Stunde die Augenhaut hinter der Hornhaut verändert. Beim üblichen dunklen Text auf hellem Hintergrund wird sie dünner. Das löst ein Längenwachstum des Augapfels aus, das zu Kurzsichtigkeit führt. Liest man allerdings einen Text auf dunklem Hintergrund, werde die Augenhaut dicker. Das Augenwachstum bleibt gehemmt, so die Tübinger Forscher.

Textkontrast umkehren

Den Textkontrast umzukehren, wäre deshalb eine einfach umzusetzende Methode, um die zunehmende Kurzsichtigkeit aufzuhalten. Denn immer mehr Zeit werde beim Arbeiten und Lesen an Computerbildschirmen und Tablets verbracht.

Die Augenheilkundler wollen ihre Theorie jetzt in einer Studie mit Schulkindern überprüfen. Im Experiment habe sich bereits gezeigt, dass sich die Dicke der Augenhaut in beide Richtungen ändern kann, nur durch Lesen mit verschiedenem Textkontrast.

STAND