Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Springkraut und Riesenbärenklau verdrängen heimische Arten Botanischer Garten Tübingen prüft seine Fremdlinge

Sie gefährden einheimische Arten und sind deshalb nicht gern gesehen: invasive Arten, wissenschaftlich Neophyten genannt. Sie wachsen - unerlaubt - auch in Botanischen Gärten.

Das Indische Springkraut breitet sich schnell aus und kann riesige Flächen überwuchern. So schön die blasslila Blüte ist, das Kraut verdrängt die Brennnessel und ärgert Wasserbau-Ingenieure, weil es die Erosion begünstigt. Prof. Katja Tielbörger, Leiterin des Botanischen Gartens in Tübingen, befasst sich seit vielen Jahren mit Neophyten und erforscht die Eigenheiten der fremden Pflanzen. Zum Beispiel, dass das Indische Springkraut eine Substanz produziert, die andere Pflanzen nicht mögen. Es kann also Nachbarn verdrängen, indem es diese Substanz ausscheidet.

Fast 50 Arten auf der EU-Liste

Die Europäische Kommission hat vor drei Jahren eine rote Liste mit Pflanzen und Tieren veröffentlicht, die bekämpft werden sollen. Schon ein Jahr später wurde die Liste auf fast 50 erweitert. Von den Einschränkungen sind auch botanische Gärten betroffen. Das Springkraut wächst zwar nicht im Botanischen Garten in Tübingen, wohl aber andere Neophyten, zum Beispiel ein Prachtexemplar eines kaukasischen Riesenbärenklaus. Katja Tielbörger erklärt, warum er kein harmloses Gewächs ist:

Dauer

Laut Verordnung müsste sie den Riesenbärenklau entfernen. Doch Tielbörger möchte ihn gerne stehen lassen, weil sie ihn den Besuchern zeigen und so über seine Gefahren informieren kann. Andere Neophyten dienen den botanischen Gärten für die wissenschaftlichen Forschung. Ausnahmegenehmigungen erteilt das Tübinger Regierungspräsidium. Und das entscheidet, so Sprecher Dirk Abel, nach dem Prinzip, dass eben die heimischen Pflanzen geschützt werden.

Asiatischer Schlinger verzichtbar

Ein erstes Gespräch zwischen Behörde und Garten sei kooperativ verlaufen, meint Professorin Tielbörger. Man wolle ja auch nicht alles behalten. Den Kudzu zum Beispiel, der in Asien alte Tempel umrangt, würde sie raus reißen, man trage ja auch Verantwortung. Auf die verweist sie übrigens auch mit Blick auf private Gärten, wo besonders viele Neophyten wachsen.

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