Jagd auf Mammuts (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance - Holger Neuhäuser)

Senckenbergzentrum an der Tübinger Universität Urzeitforscher lösen Rätsel der Eiszeit

Warum sind Riesentiere der Eiszeit wie Höhlenbär und Mammut ausgestorben? Solche Rätsel löst der Tübinger Urzeitforscher Hervé Bocherens in internationaler Teamarbeit.

Prof. Hervé Bocherens und sein Team verwendet modernste naturwissenschaftliche Methoden um herauszubekommen, was die Menschen in der Steinzeit gegessen haben und wie die Umweltbedingungen damals waren. In aufwändigen Verfahren mit hochsensiblen Geräten analysiert der Franzose Isotope von Substanzen und gewinnt aussagekräftige Daten. Im Zahnschmelz zum Beispiel ist eine Art chemischer Fingerabdruck aus Stickstoff- und Kohlenstoff gespeichert.

Dauer

Isotopenspeicher Collagen

Auch das Collagen aus den Knochen gibt Auskunft, was Menschen und Tiere vor Jahrtausenden gegessen haben. Die Proben stammen aus aller Welt: von der Schwäbischen Alb, aus Sibirien oder Nordamerika. In einem großen Regal mit hunderten Schublädchen lagern die Tübinger Forscher fossile Knochenteilchen und Pulver.

Ernährung im Spanien der Steinzeit

Bocherens Frau Dorothée Drucker hat zum Beispiel herausgefunden, dass sich die Menschen in Spanien vor 20.000 Jahren völlig anders ernährt haben als in Zentraleuropa, wo vor allem Mammut auf dem Speiseplan stand. Die frühen Katalanen haben vor allem Rothirsch, Pferd und Kaninchen verspeist. Offensichtlich gab es im westlichen Südeuropa damals viele Bäume. Es war viel zu warm für Mammuts, die die offene, kalte Steppe liebten.

Ökosystem "Mammut"

Die riesigen Tiere sorgten für eine unglaubliche Artenvielfalt, so Bocherens. Ihr Kot düngte die Erde und verbreitete Pflanzensamen. Als die Mammuts ausstarben, veränderte sich dieses Ökosystem und damit die Lebenswelt der frühen Menschen. Genau für diesen Wandel interessiert sich Bocherens.

"Es gibt eine Rückkoppelung im Ökosystem. Als die Mammuts ausgestorben waren, veränderte sich die Umwelt. Die Menschen mussten ihren Lebensstil ändern."

Prof. Hervé Bocherens, Uni Tübingen

Das große Sterben der Eiszeitriesen

Die frühen modernen Menschen waren - anders als die Neandertaler - mit verantwortlich, dass die großen Säugetiere ausgestorben sind, ist sich der Geobiologe sicher. Mit ihrem Erscheinen in Europa vor etwa 50.000 Jahren war das Ende der imposanten Höhlenbären besiegelt. Auch die Menschen nutzten die Höhlen, die die Bären für ihren Winterschlaf brauchten. Und sie machten Jagd auf die riesigen Bären. Dass es dann auch noch kälter wurde, war wohl zu viel für die Bären, vermutet Bocherens.

Knochen und Stoßzähne von der Wrangelinsel im Osten Sibiriens (Foto: Juha Karhu)
Knochen und Stoßzähne von der Insel Wrangel im Osten Sibiriens Juha Karhu

Letzte Mammuts auf sibirischer Insel

Auch zum Aussterben der letzten Mammuts auf der Insel Wrangel im Osten Sibiriens dürfte der frühe moderne Mensch beigetragen haben. 4.000 vor unserer Zeitrechnung gab es noch die riesigen Säugetiere. Doch die Umweltbedingungen änderten sich, heißt es in einer Studie. Es wurde wärmer. Das Trinkwasser enthielt gesundheitsschädliche Stoffe, ergaben Bocherens' Analysen. Die Summe dieser Faktoren sorgte für das Aus der kleinen Population.

Artenvielfalt erhalten

Dieses Beispiel zeigt: Die Erforschung der Vergangenheit bringe auch Erkenntnisse für die Zukunft, meint Herve' Bocherens. Sie können helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wie die Artenvielfalt erhalten werden kann.

STAND