Bahnstrecke von Herrenberg nach Bad Urach  (Foto: SWR)

Regional-Stadtbahn Neckar-Alb Der lange Weg zur Realisierung

Vor 20 Jahren hat eine Initiative erste Überlegungen zu einer Regional-Stadtbahn angestellt. Immer wieder stand das Projekt auf der Kippe. Jetzt kommt der erste Streckenteil 2022.

Was will die Regional-Stadtbahn

Mit der Regional-Stadtbahn könnten Fahrgäste mit modernen Stadtbahnfahrzeugen in der Region den ÖPNV nutzen. Weitgehend umsteigefrei könnte man vom Umland bis in die Reutlinger und Tübinger Innenstädte fahren. Ein 30-Minuten-Takt wäre überall garantiert. Dort, wo sich mehrere Linien streckenmäßig überlagern und parallel verlaufen, kann sich auch ein 15-Minuten-Takt ergeben.

Wer will die Regional-Stadtbahn

Partner des Regional-Stadtbahn-Projekts sind die Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollernalb, die Städte Reutlingen und Tübingen sowie der Regionalverband Neckar-Alb.

Wo fährt die Regional-Stadtbahn

Die Regional-Stadtbahn soll auf einem rund 190 Kilometer langen Streckennetz fahren. Viele Gleise sind bereits vorhanden - zum Beispiel die Ermstalbahn (Metzingen – Bad Urach), die Ammertalbahn (Tübingen – Herrenberg), die Zollernalbbahn (Tübingen – Albstadt) und die Neckar-Alb-Bahn (Plochingen – Horb).

Neubauten

44 Kilometer müssen neu gebaut und 166 Kilometer elektrifiziert werden. Die neuen Strecken führen durch die Reutlinger Innenstadt nach Gomaringen und auf die Alb nach Kleinengstingen, durch Tübingen zu den Kliniken, über Hechingen nach Rottweil und nach Albstadt-Onstmettingen (Talgangbahn).

Warum gib es drei Teilnetze

Weil das gesamte Netz aus Kostengründen nicht auf einmal gebaut werden kann, wurden drei Teilnetze gebildet. Sie sollen nacheinander verwirklicht werden.

  • Teilnetz 1: Stadtgebiet Reutlingen, Pfullingen, Tübingen, Neckartalbahn und Ammertalbahn, Ermstalbahn sowie der Albaufstieg
  •    Teilnetz 2: Zollernalb-Bahn und Talgang-Bahn
  •   Teilnetz 3: Gomaringer Spange (Querverbindung Reutlingen - Dusslingen)

Die Standardisierte Bewertung als Voraussetzung

Die Standardisierte Bewertung ist abgeschlossen und damit die Wirtschaftlichkeit und grundsätzliche Förderfähigkeit des Gesamtprojekts nachgewiesen.

Was kostet die Regionalstadtbahn

Inzwischen geht man von einer Milliarde Euro Investitionskosten aus. Ziel ist, dass sich Bund (60) und Land (20) daran mit insgesamt 80 Prozent beteiligen.


Wie startet die Regionalstadtbahn

Die Region ist auf die Zuschüsse von Land und Bund angewiesen. Deswegen können als Projektstart nur vorhandene Strecken des Teilnetzes 1 ausgebaut werden.  Das sogenannte  Modul 1 umfasst den stadtbahngerechten Ausbau mit Elektrifizierung der Ammertal- und Ermstalbahn sowie neue  Haltepunkte auf der Neckar-Alb-Bahn.

Ermstalbahn bei Hohenurach (Foto: Daniel Saarbourg)
Ein erster Schritt auf dem Weg zur Regionalstadtbahn: Die Ermstalbahn bei Hohenurach wird elektrifiziert Daniel Saarbourg

Problematische Finanzierung

Bis zum Herbst 2015 war die Finanzierung unklar, weil es noch keine vollständige Finanzierungsgarantie der Landesregierung gab, falls Bundeszuschüsse ausfallen. Ende September hatte sich der Bund allerdings überraschend auf weitere Regionalisierungsmittel für den Bahnverkehr geeinigt. Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, das 2019 ausläuft, wurde um 15 Jahre verlängert.  Das Land hat inzwischen seinen 20-prozentigen Zuschuss zugesagt, die Zusage des Bundes erfolgt erst, wenn das neue Verkehrsfinanzierungsgesetz verabschiedet ist. Die dazu nötige Grundgesetzänderung hat der Bundestag im Juni 2017 beschlossen.

Betrieb ist machbar

Die Bahn AG hat das Betriebskonzept mit den Fahrplänen auf der Strecke geprüft und genehmigt. Auch die Kosten-Nutzen-Analyse ist positiv, so dass Ende Mai 2017 der Zuschussantrag beim Stuttgarter Verkehrsministerium gestellt wurde. Die Kosten belaufen sich derzeit (Stand 2018) auf mindestens 120 Millionen Euro für das erste Teilstück (Modul 1). Im Oktober 2017 hat das Tübinger Regierungspräsidium den letzten von insgesamt sechs Planfeststellungsbeschlüssen der Strecke Herrenberg - Bad Urach erlassen. Damit sind alle nötigen Genehmigungen erteilt.

Förderung auf dem Weg

Ende Juni 2018 hat das Land nach einer eingehenden Prüfung einen Förderantrag in Berlin eingereicht. Noch dieses Jahr könnte es eine Förderzusage vom Bund geben, der den Löwenanteil der Finanzierung trägt. Die Rodungsarbeiten für die Elektrifizierung der Ammertalbahn sollen im Januar beginnen.

Die erste Fahrt der Stadtbahn ist für 2022 geplant. Sie wird deutlich teurer. Nach klärenden Gesprächen über die Förderung im Landesverkehrsministerium sollen die Planungen für die übrigen Strecken verstärkt werden, damit der Ausbau zügiger vorankommt. Im Februar 2019 hat sich ein Zweckverband mit eigener Geschäftsführung gegründet.

STAND