Prozessbeginn am Landgericht Tübingen "Falscher Polizist" schweigt, Verteidigung will Deal

In Tübingen hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der als "falscher Polizist" über 113.000 Euro von Senioren erbeutet haben soll. Seine Verteidiger fordern einen Deal.

Der 31 Jahre alte Angeklagte machte vor dem Landgericht Tübingen am Donnerstag keine Angaben. Seine Verteidiger streben eine Absprache der beteiligten Parteien an, einen sogenannten Deal. Der soll sich strafmildernd auswirken. Voraussetzung dafür wäre nach Auffassung des Gerichts, dass der Beschuldigte die Tatvorwürfe einräumt. Ob es zu einer Einigung kommt, will die Kammer am Freitag bekannt geben.

Kopf einer Bande

Laut Anklage soll der Beschuldigte als Kopf einer Bande agiert, alte Menschen angerufen und sich als Polizist ausgegeben haben. Den Betroffenen soll er weis gemacht haben, dass ihr Geld von Einbrecherbanden in ihrer Gegend bedroht sei und sie es der Polizei zur Verwahrung übergeben sollen.

Netzwerk soll aus Türkei agiert haben

Der Angeklagte soll die Telefongespräche mit den Senioren vorwiegend von einem unbekannten Ort in der Türkei aus geführt haben. Nach Angaben des Gerichts wurde er in Marokko mit internationalem Haftbefehl festgenommen. Dem 31-jährigen Türken, der vor einigen Jahren aus Deutschland abgeschoben wurde, wird vorgeworfen, für mindestens zehn Betrugsfälle verantwortlich zu sein.

Komplizen bereits verurteilt

Seine fünf mutmaßlichen Komplizen agierten innerhalb der Gaunergruppe als Logistiker und "Abholer", die als angebliche Polizisten ihre Beute von den Betrugsopfern entgegennahmen. Das Landgericht Tübingen hat sie im Januar unter anderem wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs teils zu Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt.

Aufgeflogen war der Haupttäter, nachdem eine 62-Jährige aus Mössingen (Kreis Tübingen) auf die Masche hereingefallen und mehrere 10.000 Euro an die Betrüger übergeben hatte.

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