buntes Banner an Kirche (Foto: SWR)

Protestgruppe bestohlen Plakate in Hirschau verschwunden

Niemand hatte die Aktion Maria 2.0 in Tübingen-Hirschau offen kritisiert. Aber plötzlich fehlten die fünf Plakate gegen Patriarchat und Misstände in der katholischen Kirche.

Das Entsetzen war groß, sagt Doris Lorenz, Mitinitiatorin und Kirchengemeinderätin der katholischen Kirchengemeinde Hirschau. Die fünf Plakate, bemalte Bettlaken, hatten die Frauen am Samstag in rund fünf Meter Höhe an den Kirchenfenstern aufgehängt. Sie wollten damit beim Gemeindefest am Abend auf ihre Anliegen hinweisen.

Banner an Kirche (Foto: Pressestelle, Doris Lorenz)
Die Banner anzubringen, war nicht ganz einfach - sie abzuhängen vermutlich also erst recht nicht. Pressestelle Doris Lorenz

Die Plakate waren nur etwa zwei Stunden lang unbeaufsichtigt. Diese Zeit müssen die Diebe gezielt genutzt haben. Vermutlich hatten sie eine Leiter dabei.

Wut und Entäuschung

Die Aktivistinnen empfinden den Diebstahl als "kleinkarierte Aktion". Erst waren sie wütend, dann enttäuscht. Man müsse ja nicht einverstanden sein mit Maria 2.0, aber dann könne man doch wegbleiben. Wer es war, ist ein Rätsel. Der Kirchengemeinderat steht hinter den Frauen, die sich gegen überkommene Hierarchien und Moralvorstellungen der katholischen Kirche einsetzen. Auch sonst wissen sie von keinen Gegnern ihrer Aktion, sagen die Initiatorinnen.

Rechtliche Schritte

Sie gehen davon aus, dass jemand für die Aktion verantwortlich ist, der konservativ und engstirnig denkt und keinerlei Veränderung in der Kirche will. Sie planen jetzt, Anzeige zu erstatten.

Gestärkt und solidarisch

Einschüchtern lassen wollen sich die katholischen Kirchengemeinderätinnen nicht. Noch am selben Abend und am nächsten Morgen kamen Frauen und halfen, ein neues Plakat entstehen zu lassen. Der Angriff auf ihre Aktion habe die Solidarität unter den Frauen und auch bei vielen Männern eher noch gestärkt, sagen sie.

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