Nach tödlichem Hunde-Angriff in Frohnstetten Weitere Zeugen im Kangal-Prozess

Ihr Hund hatte eine Frau totgebissen. Der psychiatrische Gutachter am Landgericht Hechingen hält die angeklagte Hundehalterin für vermindert schuldfähig.

Die Halterin des Hundes hätte erkannt, dass der Kangal sich anders verhalte als ihre anderen Hunde, so der Gutachter vor dem Landgericht Hechingen. Dass sie das Tier langfristig nicht halten könne, sei ihr bewusst gewesen.

mit Kapuze vermummte angeklagte Hundehalterin mit Verteidiger  (Foto: SWR, Foto: Jörg Heinkel)
Beim ersten Kangal-Prozess in Sigmaringen versteckte sich die 44-jährige Angeklagte, hier neben ihrem Verteidiger, unter einer Kapuze (Archivbild) Foto: Jörg Heinkel

Diagnostizierte Persönlichkeitsstörung

Aufgrund einer Persönlichkeitsstörung sei die Angeklagte aber nicht in der Lage gewesen, auch tatsächlich zu handeln. So war es ausschließlich bei Plänen geblieben, einen höheren Zaun zu errichten oder den Hund abzugeben. Schuldunfähig sei sie aber nicht.

Der Kangal hatte sich 2017 von seiner Kette losgerissen und war über den viel zu niedrigen Zaun auf die Straße gesprungen. Dort hatte er eine 72-jährige Spaziergängerin totgebissen.

Im Sommer verurteilt

Das Amtsgericht Sigmaringen hatte die Frau und ihren Mann im vergangenen Sommer wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Gegen dieses Urteil legten beide Angeklagten Berufung ein.

Ein Hund der rasse Kangal (Foto: SWR)
Groß und kräftig: ein Hund der Rasse Kangal

Die Verteidigung betonte, die angeklagte Halterin und ihr mitangeklagter Ehemann hätten nicht voraussehen können, dass der Hund einen Menschen töten könnte.

Beim Prozess in Sigmaringen hatte die Angeklagte geschwiegen. Auch zu Beginn des Berufungsprozesses hatte sie noch ihren Anwalt für sich sprechen lassen.

Vor dem Einschläfern bewahrt

Am Montag erklärte die Frau nun, sie habe den Hund nur bei sich aufgenommen, weil der Vorbesitzer den Kangal sonst hätte einschläfern müssen. Das Holz für einen höheren Zaun hätte sie bereits gekauft gehabt.

Das Gericht will am 27. Februar sein Urteil sprechen.

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