Oberbürgermeister Boris Palmer (Foto: picture-alliance / dpa, Sebastian Gollnow)

Nach Auseinandersetzung mit Student Tübinger Oberbürgermeister Palmer wegen Nötigung angezeigt

Der Streit zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister Palmer (Grüne) und einem Studenten und seiner Begleiterin hat ein Nachspiel. Die Begleiterin hat Palmer wegen Nötigung bei der Polizei angezeigt.

Am Mittwochabend habe die Begleiterin des Studenten Palmer wegen Nötigung angezeigt. Das sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen am Donnerstag. Nun übernehme die Kriminalpolizei die Ermittlungen. Dies sei ein normales Vorgehen, wenn ein Amtsträger involviert sei, sagte der Sprecher.

Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hatte sich Mitte November am Abend in Tübingen auf offener Straße mit einem Studenten angelegt. Laut Palmer hatte der Student den Oberbürgermeister erkannt und eine beleidigende Bemerkung gemacht. Daraufhin hatte Palmer den jungen Mann zur Rede gestellt. Dabei soll der Student laut und aggressiv geworden sein.

Der 33-jährige Student gab an, dass Palmer ihm und seiner Begleiterin nachgelaufen sei und sie bedrängt habe. Nachdem er sich nicht habe ausweisen wollen, habe Palmer begonnen, sie zu fotografieren. Die 32 Jahre alte Begleiterin sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, sie habe sich mit dem Studenten vorab über die Anzeige abgestimmt. "Wenn das nicht Boris Palmer gewesen wäre, hätte ich schon an jenem Abend die Polizei gerufen." Für sie sei die Begegnung sehr aufwühlend und unangenehm gewesen. "Ich hätte ihn wegschubsen müssen, um mich der Situation zu entziehen."

Palmer: Anzeige beruht auf einer falschen Einschätzung

Palmer reagierte gelassen auf die Anzeige der Frau. Ihm zufolge beruht sie auf einer falschen Einschätzung der Rechtslage. Anders als bei einer Privatperson hätten der Student und seine Begleiterin sich ihm gegenüber ausweisen müssen, denn er sei Chef des kommunalen Ordnungsdienstes, sagte Palmer. "Ich hätte sogar körperlichen Zwang einsetzen dürfen, worauf ich natürlich verzichtet habe."

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