Kunst-Streit in Tübingen Badenixe bekommt Bidet

In Tübingen gibt es Ärger um eine Skulptur. Oberbürgermeister Palmer will eine Badende am Neckar aufstellen. Während über sie noch gestritten wird, wurde bereits ein Bidet für sie zu Wasser gelassen.

Der Tübinger Künstler Björn Voigt stellte am Dienstag vorsichtig ein Bidet ins Wasser des Bächleins Ammer in Tübingens Unterstadt. An einer der eher hässlichen Stellen des Gewässers, das dort in diesen Tagen ein dunkler Pfuhl ist. Anschließend brachte er ein Schild an:

„Kunst braucht Platz – ein Bidet für die Badenixe“.

Björn Voigt, Künstler
Bidet für Badenixe (Foto: SWR, Bertram Schwarz)
Kunstaktion von Björn Voigt (mit Papier in der Hand): Ein Bidet für die Badende. Bertram Schwarz

Die umstrittene hyperrealistische Figur der US-amerikanischen Künstlerin Carole Feuerman soll zwar an einem anderen Ort in Tübingen aufgestellt werden, aber wenn sie ein menschliches Bedürfnis verspüren sollte, könnte sie ihren Premium-Platz vor der Postkartenidylle ja verlassen, meint der Künstler.

Oberbürgermeister im Alleingang

Schließlich sieht die Skulptur ja aus wie eine echte Frau mit bronzener Haut im Badeanzug. Ihr Titel ist Midpoint, Mittelpunkt. Denn sie soll ausstrahlen, dass sie in sich selbst ruht. Der Streit hat sich zunächst aber weniger an der halbnackten Bronze vor der ehrwürdigen Neckarfront entzündet, als vielmehr am Vorgehen des Oberbürgermeisters. Palmer hat sich den Kauf der Skulptur nämlich in den Kopf gesetzt, und das passt nicht allen.

Dauer

Palmer findet die Diskussion befremdlich. Er treffe täglich wichtigere Entscheidungen. An die Adresse der Kritiker sagt er, man könnte seine Gestaltungsaufgabe als Oberbürgermeister doch einfach akzeptieren, auch wenn er ein Kunstwerk aufstelle, das einem selbst nicht gefalle.

Formal benötigt Palmer keine Zustimmung des Gemeinderats, weil Mäzene bereit sind, die rund 100.000 Euro für die Skulptur zu bezahlen. Der Stadt entstünden also keine Kosten.

Die städtische Kunstkommission besteht aus fünf Fachleuten, deren Aufgabe es ist, die Stadt bei der Anschaffung von Kunstwerken zu beraten. Deren Mitglied Walter Springer ist Kunsthistoriker und hält wenig von der fraglichen Skulptur. Deren Künstlerin sei eine Meisterin der Selbstvermarktung meint er, die keine traditionellen bildhauerischen Arbeiten schaffe, sondern mit Silikonabgüssen, Laserscannern und 3D-Druckern arbeite.

Midpoint im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

Die Kommission soll nun bis Ende Januar ein schriftliches Gutachten erstellen, mit Gründen gegen die Midpoint-Skulptur.

Kunsthallendirektorin Nicole Fritz freut sich indessen darüber, dass es in Tübingen eine lebhafte Diskussion über Kunst gibt.

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