Montage eines Portraits von Friedrich Hölderlin und dem Hölderlinturm in Tübingen (Foto: SWR)

Jubiläumsjahr - 250. Geburtstag Hölderlinturm in Tübingen wieder geöffnet

Nach langem Umbau ist der Hölderlinturm in Tübingen jetzt wieder geöffnet. Dieses Jahr wird zudem Jubiläum gefeiert, denn vor 250 Jahren wurde das Lyrikgenie geboren.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Der nach dem Dichter benannte Turm an der Tübinger Neckarfront ist ein beliebtes Touristenziel und Fotomotiv. Seit Sonntagmittag können Besucher auch wieder die neu konzipierte Dauerausstellung im Turm besichtigen, in dem Friedrich Hölderlin (1770-1843) über 30 Jahre bis zu seinem Tod gelebt hat. Das neue Ausstellungskonzept ermöglicht durch neue, auch interaktive Installationen unterschiedliche, teilweise ganz ungewöhnliche Zugänge zu Leben und Werk des großen schwäbischen Dichters. Es werden zum Beispiel Fotos von Landschaften gezeigt, die Hölderlin in seinen Gedichten beschreibt.

Turmzimmer Hölderlinturm (Foto: SWR, Bertram Schwarz)
An diesem Tisch im Turmzimmer dichtete Friedrich Hölderlin. Bertram Schwarz

Festakt mit Ministerpräsident Kretschmann

Anlässlich des Geburtstages gibt es mit der Programmreihe "Hölderlin 2020" zahlreiche Veranstaltungen in Tübingen und anderen Städten in Baden-Württemberg. Bundesweit widmen sich bis zum Jahresende mehr als 600 Veranstaltungen dem Dichter.

Den offiziellen Auftakt für das Hölderlin-Jubiläum in Baden-Württemberg bildete der Festakt am Samstag in Tübingen, bei dem Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Hölderlinturm wiedereröffnete.

"Kaum ein deutscher Dichter ist so vielfältig interpretiert worden wie Hölderlin."

Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident Baden-Württemberg

Hölderlin habe Soldaten als Kriegslektüre gedient, die Linke habe ihn als Revolutionär entdeckt und Grüne könnten Anknüpfungspunkte bei seiner Naturverehrung finden, so Ministerpräsident Kretschmann beim Festakt. Hölderlin sei für viele anschlussfähig, weil er in einer Epoche voller Umbrüche gelebt habe. "In seinen Gedichten sucht er nach dem, was die moderne Zeit verloren hat: der Einheit allen Seins." Hölderlin treffe damit "in unserer rationalisierten, technisierten Welt einen Nerv der Zeit", ergänzte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Hölderlin sei zum "wirkungsmächtigen Kulturbotschafter" geworden, sein Werk zur "Weltlektüre".

Dauer

War Hölderlin krank?

Hölderlin ist in Lauffen am Neckar (Kreis Heilbronn) geboren, als Sohn eines Klosterhofmeisters. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie nach Nürtingen (Kreis Esslingen), wo Hölderlin seine Jugend verbrachte. Später studierte er in Tübingen. Im Alter von 36 Jahren wurde Hölderlin von einem Arzt "Wahnsinn" und "Raserei" attestiert. Es folgten mehrere Zwangsbehandlungen im Tübinger Klinikum. Schließlich nahm eine Tischlerfamilie, die Besitzer des Turms, ihn zur Pflege auf - für den Rest seines Lebens. Bis heute streiten sich Wissenschaftler darüber, ob beziehungsweise in welchem Grad der Dichter verwirrt oder krank war.

Dauerausstellung im Turm Neue Ausstellung im Tübinger Hölderlinturm

Edler Geist Hölderlin (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Tom Weller)
Auf einer Fußbodenschwelle in der Dauerausstellung im Hölderlinturm steht "EDLER GEIST!" Tom Weller Bild in Detailansicht öffnen
In der Dauerausstellung im Hölderlinturm wird der Satz "Die Linien des Lebens sind verschieden" auf eine runde Holzwand projiziert. Tom Weller Bild in Detailansicht öffnen
Bertram Schwarz Bild in Detailansicht öffnen
Hölderlins Roman Hyperion Bertram Schwarz Bild in Detailansicht öffnen
Ein Buch von Hölderlin wird in der Dauerausstellung im Hölderlinturm in einer Vitrine ausgestellt. Tom Weller Bild in Detailansicht öffnen
Das Treppenhaus im Hölderlinturm. Tom Weller Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Teilnehmer des Presserundgangs bedienen einen Touchscreen in der Dauerausstellung im Hölderlinturm. Tom Weller Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Mitarbeiter des Museums kleben ein Gedicht von Hölderlin auf eine Ausstellungstafel, um es an der Wand befestigen zu können. Tom Weller Bild in Detailansicht öffnen

Schillernde Figur der Romantik

Hölderlins Bedeutung als Dichter beruht auf seinem lyrischen Werk. Er war die schillernde Figur der Romantik. Hölderlin bevorzugte die hohe Form der Poesie. Er schrieb zahlreiche Gedichte, Schriften und Briefe. Zu seinem Hauptwerk zählt auch der Roman "Hyperion". Mit seinen kühnen Sprachexperimenten, die keiner Strömung, weder der Klassik noch der Romantik, zuzuordnen sind, führte er die Dichtung in die Moderne.

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