Europawahl (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Andreea Alexandru/AP/dpa)

Europawahl am Neckar und im Schwarzwald Politologin: Höheres Störpotenzial im Europaparlament

Debakel für die Volksparteien CDU und SPD - Hauptgewinn für die Grünen. Die gestärkten Rechten werden für Unruhe im EU-Parlament sorgen, meint die Tübinger Politologin Abels.

Die Region ist künftig mit vier Abgeordneten im EU-Parlament vertreten. Die CDU schickt Norbert Lins aus Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) und Andreas Schwab aus Villingen-Schwenningen wieder ins Europaparlament. Neu sind der Münsinger FDPler Andreas Glück und der Rottweiler AfD-Kandidat Lars Berg.

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Zitterpartie für Lins

Lange zittern musste der CDU Abgeordnete Norbert Lins aus Pfullendorf (Kreis Sigmaringen). Erst in den frühen Morgenstunden war klar: Er wird wieder im EU-Parlament sitzen. Auch sein CDU Kollege Andreas Schwab aus Villingen-Schwenningen hat es geschafft: Allerdings musste der Abgeordnete starke Verluste einstecken. Die CDU erhält im Schwarzwald-Baar-Kreis 36,5 Prozent der Stimmen. Auch auf der Zollernalb und im Kreis Sigmaringen muss die Union Federn lassen. Im Wahlkreis Sigmaringen sind es satte elf Prozent weniger, nur noch 41 Prozent.

Grünes Spitzenergebnis in Tübingen

Die Grünen sind fast überall in der Region zweitstärkste Kraft nach der Union. In ihrer Hochburg Tübingen erreichen sie fast 40 Prozent. Im Landkreis kommen sie auf über 31 Prozent. Die CDU stürzt ab auf 24 Prozent (2014: 31 Prozent). Die SPD ereilt das gleiche Schicksal: gut 13 statt 22 Prozent.

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Die grüne Basis war in Tübingen auf der Wahlparty nicht zu halten. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen. Über das Abschneiden seiner Partei war der Landtagsabgeordnete Daniel Lede-Abal mehr als zufrieden. Als zweitstärkste Kraft habe man jetzt vom Wähler einen klaren Auftrag erhalten, mehr für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit in Europa zu tun. Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Chris Kühn bezeichnete die Verdopplung der Stimmen als "Hammerergebnis".

Sehr gutes FDP-Ergebnis in Reutlingen

Im Wahlkreis Reutlingen holt der künftige EU-Abgeordnete der FDP, Andreas Glück, mit fast zehn Prozent deutlich mehr als im Bundes- und Landesdurchschnitt. Der Münsinger freut sich über das gute Abschneiden seiner Partei. Im SWR sagte er, es sei gut, dass Baden-Württemberg jetzt auf allen politischen Ebenen präsent sei.

Andreas Glück im Interview (Foto: SWR)
Andreas Glück im Interview

Die CDU hat im Wahlkreis Reutlingen nur noch 31 Prozent statt 40 vor fünf Jahren. Weiterer Verlierer ist die SPD mit knapp 13 Prozent. Im Wahlkreis Sigmaringen hat sich ihr Ergebnis praktisch halbiert.

Riesenenttäuschung bei der SPD

Jusos trauern Niederlage in Tübingen (Foto: SWR, Weber)
Jusos trauern Niederlage in Tübingen Weber

Die Stimmung bei der Wahlparty in Tübingen war entsprechend gedrückt. Der SPD-Kandidat für Südwürttemberg, Dieter Heidtmann, musste eingestehen, dass die Genossen mit ihren Themen und Personen die Wähler nicht erreicht haben. Man habe es nicht geschafft, bei der Umwelt das Profil der SPD rüberzubringen, so Heidtmann weiter.

AfD Kandidat aus Rottweil im EU-Parlament

Auch der AfD-Kandidat aus Rottweil, Lars Patrick Berg, kann ins EU-Parlament einziehen. Man müsse das System von innen heraus ändern, sagte er dem SWR. Im Wahlkreis Rottweil erreicht er elf Prozent. Ein ähnliches Bild findet sich im Schwarzwald. Im Wahlkreis Freudenstadt kommt die AfD auf 12, 68 Prozent, im Kreis Calw sogar auf über 13 Prozent. Die rechtspopulistische Partei überholt dort die SPD, wie auch auf der Zollernalb.

Keine Chance für linke Kandidatin

Für die Tübinger Kandidatin der Linken, Claudia Haydt, hat es nicht gereicht. Weil ihre Partei zwei Prozentpunkte verliert und nur noch auf gut fünf Prozent kommt, ist Haydt chancenlos. Die Linke erhält übrigens in allen Wahlkreisen zwischen zwei und drei Prozent.

Claudia Haydt - Kandidatin für Die Linke für EU-Wahl (Foto: Die Linke Kreisverband Tübingen)
Claudia Haydt - Linke Europa-Kandidatin aus Tübingen Die Linke Kreisverband Tübingen

Höhere Wahlbeteiligung

In allen Wahlkreisen lag die Wahlbeteiligung bei über 60 Prozent. In Reutlingen waren es 62 Prozent, in Tübingen sogar fast 70 Prozent. In einigen Bezirken gab es Beobachtern zufolge sogar Schlangen. Im Wahlokal des SWR Studio Tübingen musste eine weitere Kabine geöffnet werden, um den Andrang vor 18 Uhr zu bewältigen.

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