Zweiter Mann gerettet in der Falkensteiner Höhle (Foto: SWR, Lenny Zuber)

Handelte Höhlen-Kletterer verantwortungslos? Kritik an Tour-Guide nach Unglück in Falkensteiner Höhle

Nach der Rettung zweier Männer aus der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten (Kreis Reutlingen) wird Kritik an dem Guide laut, der die Tour mit seinem Kunden geplant hatte. Innenminister Thomas Strobl (CDU) warnte vor den Risiken solcher Erlebnistouren.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

"Dieses Ereignis zeigt uns deutlich, wie schnell die Natur plötzlich auch zu einer Gefahr werden kann", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montag in Stuttgart. Jeder sei aufgerufen, aufmerksam seine Aktivitäten in der freien Natur zu planen oder entsprechend zu reagieren. Das gelte für Höhlenbesuche ebenso wie für Wanderungen oder Zeltlager. Warnhinweise und Warnsysteme sollten ernst genommen werden, riet Strobl.

Leichtsinn angesichts der Wetterlage

Der Einsatzleiter der Höhlenrettung, Michael Hottinger, kritisierte den Leichtsinn der Männer angesichts der Wettervorhersage. Auch Grabenstettens Bürgermeister Roland Deh kann es nicht nachvollziehen, dass sich die Männer in die Höhle gewagt haben. Von der Wettervorhersage, laut der es Gewitter und Regen geben sollte, haben sich die Männer offenbar nicht beeindrucken lassen, so Deh in einem Gespräch mit dem SWR. Der Einsatzleiter der Malteser Höhenrettung, Jens Hornung, bezeichnet das Verhalten des Höhlen-Guides aus diesem Grund als nicht professionell.

"Dass allerdings binnen Stunden 100 Liter über der Falkensteiner Höhle niedergehen, hat man nicht erwarten können."

Matthias Leyk, Höhlenrettung Baden-Württemberg

Matthias Leyk von der Höhlenrettung Baden-Württemberg sagte dem SWR, es sei schwierig zu sagen, ob der Höhlenführer verantwortungslos gehandelt habe. Vom Wetterbericht her sei es zwar klar gewesen, dass es Regenfälle geben wird. Aber man habe nicht wissen können, wie viel Wasser runterkommen wird. Generell sei die Witterung aber unsicher gewesen und deshalb hätte man "vielleicht eher" auf die Tour verzichten sollen.

Höhlenführer hatte Genehmigung

Der betroffene Höhlenführer hatte für die Begehung eine Genehmigung von der Gemeinde Grabenstetten. Diese ist seit April 2018 notwendig. Sie ist immer für eine Saison gültig und wird nur ausgestellt, wenn eine Versicherung nachgewiesen werden kann, die die Kosten für eventuelle Rettungsaktionen übernimmt. Etwa 15.000 bis 20.000 Euro werde der Einsatz auf der Schwäbischen Alb kosten, so Bürgermeister Deh. Ob die Versicherung allerdings in diesem Fall dafür aufkomme, sei noch unklar.

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