Gräber und Grabensystem entdeckt Archäologischer Fund: Frühe Zeichen von Sesshaftigkeit in Ammerbuch

Wo heute Ammerbuch-Pfäffingen (Kreis Tübingen) ist, lag vor über 7.000 Jahren eine jungsteinzeitliche Siedlung. Neue Funde beweisen die Fähigkeiten der Bewohner - andere jagten und sammelten da noch.

Bereits 5.200 Jahre vor Christus bauten die Bewohner ein Grabensystem rund um ihre Siedlung, wie es in der Neusteinzeit zwar typisch war, für den Neckarraum bislang aber nicht nachgewiesen werden konnte.

Wozu diese Gräben um das Dorf dienten, weiß man bislang nicht sicher. Zwei der Gräben, die man zunächst mit geomagnetischen Messungen ausgemacht hatte, sind rund 5.000 Jahre jünger als die Siedlung, so Jörg Bofinger vom Landesdenkmalamt. Sie führen parallel über ein Feld und waren Straßengräben einer römischen Straße.

Dorfgraben zur Abgrenzung

Umso genauer kann man aber sagen, dass ein gebogener Graben der Abgrenzung des jungsteinzeitlichen Dorfes gedient haben muss. Vielleicht waren Pallisaden darin aufgestellt, vielleicht sollten sie schlicht Schafe und Ziegen daran hindern, in die Siedlung zu laufen.

Übersichtsaufnahme Hockbestattung einer 30 bis 40-Jährigen Frau aus der frühen Jungsteinzeit (Foto: Uni Tübingen - L. Brandstätter)
Übersichtsaufnahme Hockbestattung einer 30 bis 40-Jährigen Frau aus der frühen Jungsteinzeit, die in linksseitiger Hockerlage beigesetzt wurde. Uni Tübingen - L. Brandstätter

Nun haben Archäologen des Denkmalamts und der Universität Tübingen auch noch das Grab einer 30 bis 40 Jahre alten Frau gefunden, die laut Laboranalyse ihrer Knochen etwa 5.100 Jahre vor Christus gestorben sein muss.

Perlenkette im Grab

Im Bereich ihres Halses fanden die Forscher 16 Kalksteinperlen, die belegen, wie kunstfertig und sorgfältig diese frühen Menschen gewesen sein müssen.

Kalksteinperlen einer Kette, die im Halsbereich der Toten gefunden wurde. (Foto: Uni Tübingen - M. Korolnik)
Kalksteinperlen einer Kette, die im Halsbereich der Toten gefunden wurde. Uni Tübingen - M. Korolnik

Solche Perlen kennt man sonst vor allem aus dem Karpatenbecken und dem Balkanraum. Aus diesen Gebieten, so die Wissenschaftler, sind die ersten Bauern mit ihren Haustieren und Kulturpflanzen nach Mitteleuropa eingewandert.

Gleichzeitig Jäger und Sammler unterwegs

In Ammerbuch (Kreis Tübingen) fanden die Bauern einen fruchtbaren Lössboden. Die einheimische Bevölkerung hat zu dieser Zeit gejagt und gesammelt.

Ob und wie es zu Begegnungen zwischen diesen mittel- und jungsteinzeitlichen Gruppen kam, ist noch nicht klar. Die Forscher hoffen aber, bald Hinweise darauf zu finden.

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