Kücken (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts Unterschiedliche Reaktionen auf Urteil zum Kükentöten

Das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennen-Zucht ist nur noch für eine Übergangszeit zulässig. Ein Züchter aus Mühlingen (Kreis Konstanz), der Hähne aufzieht, findet das gut.

45 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jährlich getötet. Weil sie keine Eier legen, lohnt es sich für die Hühnerzüchter nicht, sie aufzuziehen. Doch das darf nicht so bleiben, urteilte jetzt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Wirtschaftliche Interessen der Geflügelbranche reichen als Grund für das umstrittene Kükentöten nicht aus. Trotzdem wird sich vorerst nichts ändern - bis den Betrieben Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei zur Verfügung stehen.

Erstmals klare Aussage

Landwirt Christoph Hönig aus Mühlingen (Kreis Konstanz) begrüßt das Urteil. Dem SWR sagte er, mit dem Urteil werde erstmals klar festgestellt, dass wirtschaftliches Interesse als Begründung für das Kükentöten nicht ausreicht. Hönig kann auch verstehen, dass die Richter kein sofortiges Verbot ausgesprochen haben. Denn dann hätten die deutschen Brütereien zugemacht und die anderen europäischen Länder hätten die Lücken gefüllt. Einer artgerechten Tierhaltung, so Hönig, hätte das nicht geholfen.

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18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Hähne als Fleischhuhn großziehen

Hönig ist Mitbegründer der Initiative "Huhn und Hahn", die Eier etwas teurer verkauft und mit den Mehreinnahmen Hähne aufzieht. Die werden später als Fleischlieferanten geschlachtet. Der Bauer und seine Kollegen erleben nach eigenen Angaben viel Bereitschaft der Kunden, dieses Prinzip zu unterstützen.

Konkretes Verbot fehlt

"Halbherzig, nicht hinnehmbar, ja verfassungswidrig" - diese Worte fallen dem Tierschützer und Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper aus Nagold (Kreis Calw) zum Gerichtsurteil ein. Der Tierschutz sei seit fast 20 Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Trotzdem hätten die Richter ein Urteil gefällt, das das Töten der männlichen Küken weiter erlaubt – ohne zu sagen, wann konkret damit Schluss sein muss.

"Die Ethik, dass Tiere nicht einfach Sachen sind, sondern fühlende Mitlebewesen, die hätte ich mir auch in der höchsten Instanz des Bundesverwaltungsgerichts gewünscht."

Eisenhart von Loeper, Rechtsanwalt
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