Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist auf Facebook und im Tagblatt präsent. SWR Aktuell dikutiert seine Medienpräsenz (Foto: SWR, Jörg Heinkel)

Ein OB und sein Umgang mit den Medien Boris Palmer will zukünftig bewusster posten

Posten, bis es Ärger gibt, Stress mit Passanten. Tübingens OB Boris Palmer sorgt für Schlagzeilen. Darüber hat Palmer am Mittwochabend mit Journalisten diskutiert.

Mit dabei waren am Mittwoch: Sandra Müller, Redakteurin aus dem SWR-Studio Tübingen und Social-Media-Kennerin. Außerdem der Medienwissenschaftler Prof. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim, Gernot Stegert, Chefredakteur des "Schwäbischen Tagblatts", und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) selbst. SWR1-Leute-Moderator Wolfgang Heim hatte die Gesprächsrunde geleitet. Sie wurde direkt im Internet übertragen.

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Streit in Tübingen, und alle berichten

Bei einer spätabendlichen Begegnung zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister und einem Studenten war es im November zu einer Auseinandersetzung mit bis heute hörbarem medialen Nachhall gekommen. Aus dem nächtlichen Streit hatte sich eine scharfe Kontroverse zwischen der Tübinger Lokalzeitung "Schwäbisches Tagblatt" und Palmer entwickelt.

Palmer will bewusster auf Facebook posten

"Ich habe gelernt, über die Folgen dessen nachzudenken, was ich tue und muss zugestehen, dass ich da auch Fehler gemacht habe", so Palmer nach der Live-Diskussion.

Boris Palmer sei in den sozialen Medien der auffälligste Politiker, den er kenne, so der Hohenheimer Medienwissenschaftler Wolfgang Schweiger. Palmer suche auf Facebook gnadenlos jeden Dialog:

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Hier können Sie die Diskussion noch einmal in voller Länge nachsehen:

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Palmer: "Tagblatt" bauscht Dinge auf

Palmer fühlt sich hingegen von den Medien ungerecht behandelt. Der Streit mit Bürgern in der Nacht sei eine Lappalie gewesen. Das "Schwäbische Tagblatt" habe die Sache aufgebauscht. "Tagblatt"-Chefredakteur Gernot Stegert entgegnete: "Es ist Aufgabe einer Lokalzeitung, mit Dingen, die die Stadt bewegen, kritisch umzugehen." Allerdings hätten nach dem nächtlichen Vorfall mit den Studierenden auch viele Leserbriefschreiber ihre Zeitung beschimpft. Zugleich gaben drei Viertel der Palmer-Anhänger auf Facebook an, dass sie das Auftreten ihres Bürgermeisters bei dem Streit als "peinlich" empfunden hätten.

Appell für Bedacht und Medienkompetenz

Stegert wies auf eine allgemeine Entwicklung hin: "Wir eskalieren schneller, das ist nicht nur ein Facebook-Problem." SWR-Redakteurin Sandra Müller wünschte sich eine gesetztere Wortwahl in Diskussionen. Palmers Verhalten führe zu einem Dilemma und appellierte daher an die Medienkompetenz von Palmer, aber auch vieler Internet-User. Man könne als Person des öffentlichen Lebens auf Facebook nicht "privat" schreiben und da auch mal Ungenauigkeiten oder Unwahrheiten raushauen, während man sich auf ein TV-Interview mehrere Tage lang vorbereitet und Fakten prüft, bevor man etwas in die Kamera sagt.

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