Das kann Gemeinde Bürgerbeteiligung wird in Metzingen groß geschrieben

Das kann Gemeinde: die SWR-Serie zeigt Vorbilder. In der 22.000-Einwohner-Stadt Metzingen (Kreis Reutlingen) kann man erfahren, wie Bürgerbeteiligung erfolgreich funktioniert.

Normalerweise kämpfen Bürgerinitiativen stets gegen Pläne von Regierung und Parlamenten. Anders in Metzingen. Dort wurde eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, um Stadtverwaltung und Gemeinderat den Rücken zu stärken. Dass Bürgerinnen und Bürger bei Großprojekten von Anfang mitreden und planen dürfen, zahlt sich aus.

Outlet-City und Kombibad In Metzingen hat Bürgerbeteiligung Tradition

Metzingens OB Fiedler besichtigt mit Bürgern das Gelände (Foto: SWR, Thomas Scholz)
OB Fiedler bei der ersten Führung auf dem alten Gaenslen & Völter Firmengelände – 2012 hat Metzingens OB die erste große Bürgerbeteiligung gestartet. Thomas Scholz Bild in Detailansicht öffnen
So könnte die neue Outlet-City mal aussehen - das war am Anfangsstadium der Planungen mit den Bürgern. Tomas Scholz Bild in Detailansicht öffnen
Neues Einkaufserlebnis - die Fläche für Fabrikverkauf in Metzingen wurde deutlich vergrößert. Nadine Ghiba Bild in Detailansicht öffnen
Bürger contra Bürger auf dem Marktplatz – zwei Initiativen werben für und gegen die Neubaupläne des Kombibades. Bild in Detailansicht öffnen
Das alte Metzinger Freibad Stadt Metzingen Bild in Detailansicht öffnen
Workshop für die neue Bäderwelt. Bei der praktischen Planungsarbeit mit vielen Fakten müssen viele Details berücksichtigt werden. Thomas Scholz Bild in Detailansicht öffnen
Ein Bad für alle Jahreszeiten - auf einer Tafel können sich die Bürger über die Pläne zum Kombibad informieren. Thomas Scholz Bild in Detailansicht öffnen

Pro und Contra Kombibad

„Ja!“ zum Erhalt der Metzinger Bäder. Das war im vergangenen Jahr das Ziel einer Bürgerinitiatiative. Per Bürgerentscheid wollte sie die Pläne der Stadtverwaltung und des Gemeinderates kippen, ein neues Frei- und Hallenbad zu bauen. Doch dann erlebte man sowas wie eine kleine Sensation. Denn es gründete sich eine zweite Bürgerinitiative, die für die Pläne der Stadtoberen kämpfte. Mit Erfolg.

Umfangreiche Bürgerbeteiligung

Dieser Erfolg fiel nicht vom Himmel. Denn im Vorfeld hatte die Stadtverwaltung für eine umfangreiche Bürgerbeteiligung gesorgt. Rund 4.000 Metzingerinnen und Metzinger machten mit. Vereine wurden befragt. Erst dann fasste der Gemeinderat, der trotz aller Bürgerbeteiligung letztendlich die Entscheidung fällt, den Beschluss einen Bäderneubau zu planen.

Kommunalpolitische Bruchlandung

Ausgelöst hat die Bereitschaft zur Bürgerbeteiligung eine kommunalpolitische Bruchlandung im Jahre 2008. Damals versuchten Stadtverwaltung und Gemeinderat den Bau eines großen Logistiklagers durchzusetzen, trotz massiver Kritik aus der Bürgerschaft. Die schaffte es, den Bau per Bürgerentscheid zu kippen. Noch am Abend der Auszählung trat der damalige Oberbürgermeister zurück.

Dauer

Bürger werden zu Städteplanern

Als der Nachfolger Ulrich Fiedler und der millionenschwere Investor, der Outlet-City-Betreiber Holy AG, 2012 den Umbau einer großen Industriebrache planen wollten, beschritten sie einen neuen Weg. Sie ließen die Bürgerschaft mitplanen, obwohl der Investor nicht dazu verpflichtet gewesen wäre. Schließlich war das Gelände Privateigentum.

Aufwand hat sich gelohnt

Die Stadt kostete es einiges an Geld, weil Großveranstaltungen und Workshops nötig waren. Eine externe Moderationsfirma wurde eingekauft. Der Investor rechnete mit Zeitverlust und erheblichen Mehrkosten. Zwar gab es noch einen Rechtsstreit mit den Nachbarstädten Reutlingen und Tübingen, die einen Kaufkraftverlust befürchteten. Aber schließlich einigte man sich gütlich. Im Frühjahr wurde der erste Bauabschnitt der Outlet-City fertiggestellt. Geschäfte und Kunden sind zufrieden.

STAND