Die Barbara Gonzaga Gemeinschaftsschule in Bad Urach (Foto: SWR)

Verschobene Prüfungen wegen Bad Uracher Schule Land übernimmt Kosten für ausgefallene Klassenfahrten

Weil Unbekannte in einer Gemeinschaftsschule in Bad Urach einen Umschlag mit Prüfungsaufgaben geöffnet haben, wird die Prüfung landesweit verschoben. Mittlerweile stehen die Kosten des Missgeschicks fest. Auch die Polizei ermittelt.

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Eine Polizeisprecherin sagte, die Beamten würden erste Gespräche mit der Leitung der Schule in Bad Urach (Kreis Reutlingen) führen. Sie sollen prüfen, ob eine Straftat vorliege und wenn ja, welche. Das Ministerium kündigte an, gegenüber der Schule die "zwingend notwendige Sensibilität im Umgang mit Prüfungsunterlagen" anzumahnen.

Prüfungen werden landesweit verschoben

Ein laxer Umgang mit Aufgaben an der Bad Uracher Gemeinschaftsschule hat zu der Panne bei den Abschlussprüfungen an den Realschulen in Baden-Württemberg geführt. Die Deutschaufgaben in einem Umschlag wurden beim Staatlichen Schulamt abgeholt und dann bei mehreren Personen verwahrt - zeitweise sogar bei einer Lehrkraft zu Hause. Das teilte das Kultusministerium am Dienstag mit. Die Unterlagen seien an der Schule nicht sofort verschlossen worden, obwohl ein Tresor vorhanden war.

Die Schule hatte den nicht mehr verschlossenen Umschlag am vergangenen Freitag bemerkt. Deshalb wurde die Deutschprüfung von diesem Mittwoch auf den 27. April verschoben. Es lasse sich derzeit nicht rekonstruieren, von wem und wann der Umschlag geöffnet wurde, teilte das Ministerium mit. Die Aufgaben lagen noch in dem Kuvert. "Fest steht, dass die Schule entgegen der Sicherheitsvorgaben keine lückenlose und sichere Verwahrung der Prüfungsaufgaben sichergestellt hat", so das Ministerium.

Wer bezahlt für verpasste Abschlussfahrten?

Bereits gebuchte Abschlussfahrten müssen wegen des neuen Prüfungstermins verschoben werden oder gar storniert werden. Das Kultusministerium will verhindern, dass Schülerinnen und Schüler auf den Kosten sitzen bleiben – die können schließlich nichts dafür, so die Behörde am Dienstag. Man prüfe jetzt, ob das Land die Kosten übernehmen kann und ob es nur einspringt, wenn es eine offiziell von der Schule organisierte Abschlussfahrt war, oder vielleicht auch bei Reisen, die die Schüler selbst organisiert haben.

Die Panne bei der Realschul-Abschlussprüfung
kommt das Kultusministerium teuer zu stehen. Alleine der Nachdruck und die Auslieferung der neuen Deutsch-Prüfungsaufgaben kostet zwischen 25.000 bis 30.000 Euro. Diese Zahl beruhe auf einer Schätzung der Druckerei, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums
und bestätigte damit einen Bericht der "Schwäbischen Zeitung" (Donnerstag).

Schüler bei Abschlussprüfung (Foto: Imago, SWR, Imago)
Schüler bei Abschlussprüfung (Symbolbild) Imago Imago

Eisenmann: "Sicherheitskette" wurde nicht eingehalten

Die sogenannte "Sicherheitskette" sei im Vorfeld der Abschlussprüfungen in der Gemeinschaftsschule in Bad Urach (Kreis Reutlingen) nicht eingehalten worden. "Wir haben zu gewährleisten, dass die Prüfungen wirklich für alle unbekannt sind", so Eisenmann. "Wenn wir diesen Eindruck nicht haben, müssen wir leider reagieren."

"Mir tut es unendlich leid. Aber uns blieb nichts anderes übrig. Das Risiko war schlicht zu groß, dass die Aufgaben nachher im Netz kursieren."

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zum SWR.

Landesschülerbeirat verärgert

Es sei bedauerlich, dass wenige so vielen schaden könnten, so Madeleine Schweizerhof, Sprecherin des Landesschülerbeirat. Die neue Vorbereitung auf die Deutschprüfung sei umso ärgerlicher, da die Mathe- und Englischprüfungen noch vor dem auf den 27. April verschobenen Termin lägen. Schweizerhof monierte, es fehle ein Plan B für solche Fälle. So könnte eine zweite Tranche alternativer Aufgaben den Schulen digital zugeschickt werden, die im Notfall dort ausgedruckt werden könnten. Der Landesschülerbeirat vertritt die Interessen von rund 1,5 Millionen Schülern in Baden-Württemberg.

"Das bedeutet eine Belastung und mehr Stress für die Schüler"

Madeleine Schweizerhof, Sprecherin des Landesschülerbeirat

Krisenmanagement laut GEW richtig

Das Krisenmanagement des Kultusministeriums sei richtig, heißt es bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auch wenn das für die Schüler nun zusätzlichen Stress bedeute und für die Realschulen viel Arbeit. GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sieht es gelassen: wo Menschen arbeiten, würden immer auch Fehler gemacht. Forderungen, die Abschlussprüfungen künftig digital abzuspeichern, sieht der Landeselternbeirat kritisch.

Der Landesvorsitzende Carsten Rees sagt, digitale Plattformen seien anfällig für Hacker. Eine hundertprozentige Sicherheit für Prüfungsaufgaben werde es nie geben.

Vorkommnis auch im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr hatten Einbrecher in einem Stuttgarter Gymnasium einen Tresor mit den damals aktuellen Abituraufgaben geknackt. Daraufhin mussten Mathematik- und Englisch-Aufgaben in ganz Baden-Württemberg und auch in einigen anderen Bundesländern ausgetauscht werden. Als Konsequenz daraus wurden die Prüfungsaufgaben noch später als in den Vorjahren verschickt.

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