Langenenslingen, Archäologen Dirk Krausse (re) und Roberto Tarpini (Foto: SWR)

Archäologen untersuchen Anlage auf der Alb Frühkeltische Wagenrennen in der Nähe der Heuneburg

Archäologen untersuchen in der Nähe der frühkeltischen Heuneburg (Kreis Sigmaringen) eine Kultstätte. Es könnte eine Arena für Pferde- und Wagenrennen gewesen sein.

Vor 2.500 Jahren war der Südwesten fest in der Hand der Kelten. Dies belegen nicht zuletzt die reichhaltigen Funde auf der Heuneburg an der Donau. Der Fürstensitz kontrollierte die Handelswege. Vor drei Jahren haben Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege auf der neun Kilometer entfernten Alten Burg bei Langenenslingen (Kreis Biberach) gewaltige Mauern entdeckt (Video).

Archäologen Dirk Krausse (re) und Roberto Tarpini (Foto: SWR)
Grabungsleiter Roberto Tarpini und Chefarchäologe Dirk Krausse (rechts)

Es waren die Reste einer Kalksteinmauer. Jetzt haben sich die Forscher den Hauptwall vorgenommen, der die Anlage im Norden abriegelt. Er ist 100 Meter lang, sieben Meter hoch und dreizehn Meter dick. Das Team um Grabungsleiter Roberto Tarpini und Chefarchäologe Dirk Krausse versucht an den Fuß der Mauer zu kommen. "Wäre natürlich interessant, was da liegt", so Krausse.

Startboxen für Pferde

Dort könnten nämlich Startboxen, also die Wettkampfvorrichtungen für Pferde, gewesen sein. Eine Trense, Teil eines Pferdegeschirrs, hat man schon vor einiger Zeit gefunden. Krausse ist inzwischen überzeugt, dass die Kelten auf dem zungenförmigen Plateau in Sichtweite der Heuneburg sportliche Wettkämpfe, ähnlich wie die Griechen und später die Römer, veranstaltet haben.

"Es gibt nach wie vor nur eine Parallele in der gesamten antiken Welt für diese Form des Berges, für diese Mittelrippen, und das sind eben Anlagen für sportliche Wettkämpfe, Wagenrennen, Pferderennen."

Chefarchäologe Dirk Krausse

Das Gelände ist etwa so groß wie drei Fußballfelder. Es wurde von Menschen planiert. Die Seiten wurden mit Mauern verstärkt, zwei Terrassen an den Längsseiten angelegt. Darunter befand sich ein Graben mit einem Kilometer Länge. Eine Straße führte auf die Anlage.

Keltische Arena für Pferderennen (Rekonstruktion) (Foto: Landesamt für Denkmalpflege Esslingen)
So könnte die keltische Anlage auf der Alten Burg bei Langenenslingen ausgesehen haben. Landesamt für Denkmalpflege Esslingen

Zugang entdeckt

Tarpinis Team hat an der Außenseite der Quermauer im Nordosten den Zugang gefunden. Er war mindestens vier Meter breit. Tarpini sagte dem SWR: "Wir sind auf waagerechte Planierschichten gestoßen, die wahrscheinlich mit diesem Zugang zusammenhängen."

Weitere Grabungen geplant

Inzwischen belegen Funde, vor allem Keramik und Holzkohlereste aus dem Graben und den Wällen, dass die Anlage in der frühen Eisenzeit gebaut wurde. Krausse nimmt an, dass sie sogar noch älter ist als die benachbarte Heuneburg und um 700 vor Christus errichtet wurde.

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