Der Antisemitismusbeauftragte Michael Blume beim Vortrag in Horb (Foto: SWR, Anette Hübsch)

Antisemitismus-Beauftragter Michael Blume Plädoyer für Begegnungen mit Juden in Horb

Antisemitismus nimmt weltweit zu, sagte der Beauftragte der Landesregierung Michael Blume. Am Donnerstag in Horb setzte er auf mehr persönliche Begegnungen mit jüdischen Bürgern.

Folgende Beobachtung teilte der Antisemitismus-Beauftragte der Landesregierung, Michael Blume, den Horbern mit: Es seien in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr Menschen antisemitisch geworden. Allerdings habe die Zahl der Angriffe und Beleidigungen gegen jüdische Mitbürger stark zugenommen.

Im Internet radikalisiert

Das liege daran, dass sich Menschen mit antisemitischen Vorurteilen in den neuen Medien vernetzen und radikalisieren. Verschwörungstheorien, denen zufolge es eine Weltherrschaft des Bösen gebe, an der Juden beteiligt seien, führten zu Angst. Diese könne sich in Hass und auch in Gewalt hineinsteigern.

Blume fordert deshalb mehr Kontrolle der neuen Medien und mehr Strafen für Hass-Kommentare.

Dauer

Persönliche Begegnungen fördern

Im Kampf gegen Antisemitismus empfiehlt Blume mehr Aufklärung, Fortbildungen für Lehrer, Polizisten und Justizangestellte, sowie mehr Begegnungen mit jüdischen Bürgern.

Aber, stellte Heinz Högerle vom Verein Ehemalige Synagoge Rexingen fest, die meisten jungen Menschen würden persönlich keine Juden mehr kennen. Sie hätten keine Chance, mit jüdischen Menschen in Berührung zu kommen und zu erleben, was Judentum ist.

Mitleid hilft nicht

Der Antisemitismus-Beauftragte der Landesregierung, Michael Blume, meinte dazu, er setze sich dafür ein, dass Geschichtsunterricht an den Schulen ergänzt werde durch Emphatie und Begegnung. Man könne mit toten Juden Mitleid haben und dennoch Klischees im Kopf behalten. Man müsse die historische Erinnerung um Begegnungen mit dem lebendigen Judentum ergänzen, am besten mit Gleichaltrigen.

STAND