Justitia am Portal zum Amts- und Landgericht Tübingen (Foto: SWR, Binder)

Medikamente am Steuer - Kinder schwer verletzt Amtsgericht Tübingen verurteilt Seniorin wegen fahrlässiger Körperverletzung

Die Ampel war rot. Die Frau bremste aber nicht, obwohl auch vier Kinder gerade die Straße überquerten. Sie wurden teils schwer verletzt. Die Frau hatte Beruhigungsmittel genommen.

Am Donnerstag ist das Urteil vor dem Amtsgericht Tübingen gefallen: Sechs Monate auf Bewährung für die 76-jährige Angeklagte, wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung.

Erst nach dem Aufprall gebremst

Die Frau sei fahruntüchtig gewesen, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Völlig reaktionslos sei die Seniorin über die rote Fußgängerampel in der Tübinger Weststadt gefahren, habe erst gebremst, nachdem es zum Aufprall gekommen war. Polizisten, die den Unfall beobachtet hatten, sprachen von Kindern, die durch die Luft geflogen seien.

Drei Geschwister - sieben, zwölf und vierzehn Jahre alt - und ein 10-jähriger Junge wurden bei dem Aufprall teils schwer verletzt. Zwei Kinder erlitten Schädelbrüche.

Beruhigungsmittel im Blut

Die Frau konnte sich an die rote Ampel nicht mehr erinnern. Ein Rechtsmediziner stellte Spuren eines starken Beruhigungsmittels in ihrem Blut fest. Dieses Beruhigungsmittel hatte die Seniorin wohl schon längere Zeit eingenommen.

Aufmerksamkeit geschwächt

Zu dessen unerwünschten Wirkungen zählen Tagesmüdigkeit und Schläfrigkeit mit Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und des Reaktionsvermögens. Also ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Frau nicht hätte Auto fahren dürfen. Sie sprach deshalb von vorsätzlicher Körperverletzung. Der Arzt der 76-Jährigen sagte allerdings, dass sie zwar Autofahren könne, aber aufpassen müsse. Auch auf dem Beipackzettel steht nicht ausdrücklich, dass man sich damit nicht hinters Steuer setzen sollte.

Nicht die erste rote Ampel

Die Seniorin wurde in der Vergangenheit schon zwei Mal beim Überfahren einer roten Ampel erwischt. Allerdings war die Ampel in beiden Fällen noch nicht länger als eine Sekunde auf rot. Deshalb blieb es nur bei einem Bußgeld, ohne Führerscheinentzug.

Schmerzensgeld und Führerscheinentzug

Nach dem Unfall mit den Kindern muss sie nun neben der Bewährungsstrafe für zwei Jahre ihren Führerschein abgeben und den zwei Familien ein Schmerzensgeld von jeweils 1.000 Euro zahlen.

Die Familien hatten der Angeklagten nach einem persönlichen Gespräch verziehen. Den Kindern geht es inzwischen wieder gut.

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