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In Rottenburg und in Stuttgart wird an den letzten württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz erinnert. Am 23. Januar 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Eugen Bolz, 1881 in Rottenburg (heute Kreis Tübingen) geboren, wurde 1928 zum letzten Staatspräsidenten Württembergs vor der NS-Machtergreifung gewählt. "In Württemberg wird weder rechts noch links regiert - sondern vernünftig", so lautete ein typischer Spruch von Bolz. Der studierte Jurist war ein Pragmatiker - der Rechtsstaat stand für ihn an erster Stelle. Bereits 1932 setzte er sich gegen die Attacken der Nationalsozialisten entschieden zur Wehr. In einer Rede vor dem Reichstag kritisierte er bewaffnete und gewaltbereite Demonstranten. Sie behinderten die Politik beim Lösen dringender Aufgaben, warf er ihnen vor.

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1933 ersetzen die Nazis den Zentrumspolitiker durch einen eigenen Mann, Bolz wurde inhaftiert. Er schloss sich dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime an. Bolz gehörte zum Kreis der Eingeweihten um das Attentat auf Adolf Hitler, das am 20. Juli 1944 scheiterte. Im Dezember 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof in Berlin wegen "Aufforderung zum Hochverrat und Feindbegünstigung". Vor genau 75 Jahren wurde das Todesurteil im Gefängnis Berlin-Plötzensee vollstreckt.

Eugen Bolz vor dem Volksgerichtshof (Foto: Pressestelle, Stadtarchiv Rottenburg)
Eugen Bolz vor dem Volksgerichtshof Pressestelle Stadtarchiv Rottenburg

Gedenken in Stuttgart und Rottenburg

Am Gedenktag gab es in Stuttgart eine Messe für den katholischen Politiker in der Domkirche St. Eberhard, anschließend eine Ansprache von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Vor dem Eugen-Bolz-Denkmal am Königsbau wurde ein Kranz niedergelegt.

"Auch heute wird unsere Demokratie von innen und außen angegriffen. Deshalb braucht es wieder Menschen, die für unsere Grundrechte einstehen. Menschen, die sich leidenschaftlich für unsere Ordnung einsetzen und sie gegen die neuen Feinde der offenen Gesellschaft verteidigen – selbst wenn sie dadurch Hass und Anfeindungen ausgesetzt werden."

Ministerpräsident Kretschmann bei den Eugen-Bolz-Gedenkfeierlichkeiten
Gedenkgottesdienst Eugen Bolz (Foto: SWR, Zuber, Lenny)
Diozösankonservator Wolfgang Urban spricht bei der Gedenkfeier für Eugen Bolz im Rottenburger Dom. Zuber, Lenny

Auch in Rottenburg wurde Bolz mit einer Gedenkmesse geehrt. Domkapitular Uwe Scharfenecker betonte dabei, dass Bolz sich immer für die Rechte der Einzelnen eingesetzt habe. Der einzelne Mensch sei ihm stets wichtiger gewesen, als die übergeordnete Organisation. Auch die Kirche habe für ihn keinen Wert an sich gehabt, nur im Dienst an den einzelnen Christinnen und Christen. Diese Überzeugungen hätten Bolz ermutigt, Widerstand zu leisten.

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Im Dom legte Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) einen Kranz neben einer Büste von Eugen Bolz nieder. Am Abend fanden ein Vortrag und eine Podiumsdiskussion statt.

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