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Vor genau 25 Jahren wurde die Stiftung Weltethos in Tübingen gegründet. Mit Bildungsarbeit und Veranstaltungen mit Prominenten setzt sie sich für die Verständigung der Völker ein.

Ausgangspunkt war das 1990 erschienene Buch von Hans Küng "Projekt Weltethos". Darin rief der streitbare katholische Theologe die Religionen zum Dialog auf. Nur so könne der Weltfrieden gelingen. Bei allen Unterschieden stellte er gemeinsame grundlegende Werte fest: Menschlichkeit und gegenseitigen Respekt. Mit der Stiftung wollten Küng und seine Mitstreiter die Idee eines Menschheitsethos voranbringen.

 Bescheidene Anfänge im Wohnhaus von Küng

Der Baden-Badener Unternehmer von der Gröben stellte das Startkapital bereit. Dadurch konnte der streitbare katholische Theologe Hans Küng mit seinen Thesen eine breite Öffentlichkeit erreichen. Angefangen hatte alles ganz bescheiden im Wohnhaus von Hans Küng, erinnert sich Generalsekretär Stephan Schlensog. Er war von Anfang an dabei. Inzwischen ist Schlensog und sein zehnköpfiges Kernteam in einen nagelneuen Büroturm in der Nähe des Tübinger Hautptbahnhofs umgezogen.

"Weltethos-Schulen" auf der ganzen Welt

Generalsekretär Stephan Schlensog  (Foto: SWR, Bernhard Kirschner)
Generalsekretär Stephan Schlensog im neuen Konferenzraum der Stiftung Bernhard Kirschner

Dort arbeiten sie an weiteren Bildungsangebote für Schulen, eine Herzensangelegenheit der Stiftung von Anfang an, sagte Schlensog. Möglichst früh sollen junge Menschen lernen, respektvoll miteinander umzugehen. Zusammen mit Lehrern wurden Unterrichtsmaterialien entwickelt.

"Wir haben sehr früh die Schulen als erstes Handlungsfeld für unsere Ideen identifiziert."

Stephan Schlensog, Generalsekretär der Stiftung Weltethos

Inzwischen gibt es weltweit "Weltethos-Schulen". Angeboten werden Seminare, Workshops und Hilfestellungen für Kommunen, die religiöse Gemeinschaften vor Ort zusammenbringen wollen. Zusammen mit der Universität wurde ein Weltethos-Institut gegründet, das sich mit wirtschaftlichen Fragen befasst.

Weltethos-Rede an der Tübinger Universität

Ein Kernstück der Stiftungsarbeit ist die Veranstaltung einer Weltethos-Rede zusammen mit der Universität Tübingen. Den Auftakt machte im Jahr 2000 der damalige britische Premierminister Tony Blair. Ihm folgten Prominente wie UN-Generalsekretär Kofi Annan und die iranische Menschrechtsaktivistin Shirin Ebadi. Im vergangenen Jahr rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum respektvollen Dialog auf.

Weltethos in den sozialen Medien

Generalsekretär Schlensog ist zufrieden mit dem bisher Erreichten und zieht eine positive Bilanz der 25-jährigen Stiftungsarbeit. Zusammen mit seinem Team blickt der rührige 62-Jährige nach vorn, hat neue Zielgruppen im Blick. Man will verstärkt in der Mitte der Gesellschaft aktiv werden, um Themen wie respektvolles Miteinander der Kulturen, soziale Gerechtigkeit und Radikalisierung anzusprechen. Auch in den sozialen Medien will die Stiftung künftig präsenter sein. Aktuell läuft die Aktion "Zeichen gegen Spaltung". 

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