200 Jahre Landvermessung in Tübingen Bohnenberger Sternwarte wieder offen

Die Bohnenberger Sternwarte auf dem Tübinger Schloss ist seit Freitag wieder zugänglich. Das sanierte Gebäude steht für den Beginn der Vermessung von Württemberg vor 200 Jahren.

Tübingen Bohnenberger Observatorium wieder offen

Tübinger Observatorium (Foto: SWR, Norbert Kohlen)
Das 200 Jahre alte Tübinger Observatorium gibt wieder sein Geheimnis preis. Norbert Kohlen Bild in Detailansicht öffnen
Das Messgerät ist drei Meter hoch und sitzt auf einem steineren Sockel. Norbert Kohlen Bild in Detailansicht öffnen
Das Dach mit Öffnung ist drehbar. Das Fernrohr kann entsprechend ausgerichtet werden. Norbert Kohlen Bild in Detailansicht öffnen
Dem 200 Jahre alten Messgerät ist sein Alter gar nicht anzusehen, so liebevoll wurde es restauriert. Norbert Kohlen Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Skala konnten die Forscher wohl ihre Winkelmessungen ablesen. Norbert Kohlen Bild in Detailansicht öffnen

1818 hat der Astronom Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger angefangen, in der Sternwarte das Land Württemberg zu vermessen. Den Nullpunkt hat er praktischerweise in sein Büro im Nordostturm des Tübinger Schlosses gelegt. Mit dem Teleskop taxierte er zunächst die Entfernung zur Wurmlinger Kapelle im Westen und zur Burg Hohenneuffen im Osten und legte weitere markante Orientierungspunkte fest.

Triangulation

"Triangulation" heißt dieses Verfahren der Landvermessung: Dabei werden auf großen Flächen von weitem sichtbare Orte bestimmt, zu einem Netz aus Dreiecken verbunden und die Abstände berechnet. Bis heute sind sämtliche württembergischen Flurkarten auf diesen Nullpunkt im Tübinger Schloss hin ausgerichtet.

Vor dem Verfall gerettet

Weil Bohnenberger die Sternwarte im Turm zu ungenau war, ließ er ein eigenes Observatorium mit modernster Technik im Schlossgarten bauen. Lange war die kleine Sternwarte ihrem Verfall überlassen. Dann wurde das Observatorium saniert. Passend zum 200. Geburtstag der württembergischen Landvermessung ist die alte Sternwarte wieder zu besichtigen. Das Schlossmuseum MUT bietet Führungen an.

Astronomische Winkelmessung

Das kleine Observatorium im Vorgarten des Schlosses, das ein bißchen wie ein Brunnenhäuschen aussieht, wurde für den sogenannten "Reichenbach'schen Wiederholungskreis" errichtet. Das Fernrohr ist über ein senkrechtes Rohr auf einem steinernen Sockel befestigt und mit einer Radkonstruktion verbunden. Die Kreisteilung ist für die astronomische Winkelmessung gedacht. Auch Geometer können das Präzisionsinstrument zur Landvermessung nutzen.

Ältestes Bodenobservatorium

Das Messgerät gibt es weltweit nur noch wenige Male, so etwa in Florenz, Mailand oder Paris. Es wurde aufwändig im Esslinger Landesdenkmalamt restauriert. Allerdings existiert nur in Tübingen das historisch einmalige Gesamtensemble aus Originalgerät und speziell dafür errichtetem Gebäude. Es ist das älteste Bodenobservatorium der Welt.

Astronom Bohnenberger

Johann Gottlieb Friedrich (von) Bohnenberger wurde vor 250 Jahren, am 5. Juni 1765, in Simmozheim (Kreis Calw) geboren. Er studierte in Tübingen Theologie, wandte sich aber früh den Naturwissenschaften zu. 1796 erhielt er eine Anstellung an der Tübinger Sternwarte und wurde 1803 ordentlicher Professor für Mathematik. Um 1810 erfand Bohnenberger ein kleines Gerät, das "Gyroskop". Es zählt zu den Vorläufern des Kreiselkompasses.

STAND