Martinusbeauftragter Wicker (Foto: SWR, Anette Hübsch)

Erfolgreiche Bilanz: 10 Jahre Martinusweg Diözese Rottenburg-Stuttgart

Immer mehr Menschen pilgern auf dem Martinusweg

STAND

Beim Pilgern kann man seine Heimat entdecken, Kraft tanken und die Natur genießen. Der Martinusweg in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich längst von der großen Schwester Jakobsweg emanzipiert.

Von März bis Oktober ist Hochbetrieb auf dem Pilgerweg, sagt Achim Wicker, der Martinusweg-Beauftragte der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Das 1.200 Kilometer lange Streckennetz umfasst einen Hauptweg und vier regionale Martinuswege. Sie schlängeln sich über feste Wege, durch Wiesen und Wälder, von Kirche zu Kirche.

Ökumenischer Fernwanderweg

Von Anfang an sei das Ziel der Diözese gewesen, Martinskirchen, also sowohl evangelische, wie auch katholische Kirchen, die unter dem Patrozinium stehen, miteinander zu verbinden, so Wicker.

"Wir wollten eine imaginäre Linie von Martins Geburtsort Szombathely in Ungarn bis zu seiner Grablege im französischen Tours hinbekommen."

Martinuswegzeichen mit Schwert und Mantel

Sichtbares Zeichen: ein gelbes Kreuz auf dunkelrotem Grund. Dieses Symbol erinnert zugleich an das Schwert und den roten Mantel des heiligen Martins. Immer wieder gibt es Überschneidungen mit dem Jakobsweg. Doch der kleine Bruder hat sich von der großen Schwester längst emanzipiert, meint Wicker. Der Martinusweg sei inzwischen ein anerkannter Pilgerweg, der immer mehr Menschen anziehe.

Pilger Martinusweg (Foto: SWR, Anette Hübsch)
Pilgern tut gut, sagt Rolf Seeger aus Rottenburg. Anette Hübsch

Einer der rund 70 Begleiterinnen und Begleiter in der Diözese ist Rolf Seeger. Er macht das seit Jahren, denn Pilgern tut dem Menschen gut, sagt der 81-Jährige:

"Das fängt an, dass wir uns auf den Weg aufmachen. Gehen. Wenn man geht, geht vieles weg an Sorgen und Problemen des Alltags. Hinzu kommt, dass wir in der Regel als Gemeinschaft unterwegs sind und dass wir in der Natur sind. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Impuls, wie ich andere Dinge sehen kann, oder ich habe einen guten Rat bekommen."

Pilgern liegt im Trend

Und Pilgern liegt im Trend. Die einen brauchen eine Auszeit, die anderen suchen die Gemeinschaft und den geistlichen Impuls. Außerdem fasziniere der Heilige Martin noch immer die Menschen, sagt Wicker. Martin sei ein Heiliger und eine Gestalt des heutigen Europas, da es ihm nicht um das eigene Ich gehe, sondern um das Wir-Gefühl. Der Martinusweg schlägt somit auch eine Brücke von Ost nach West.

Corona-Pandemie hat Martinusweg bekannter gemacht

Auch die Corona-Pandemie hat der Kirche geholfen, den Martinusweg bekannter zu machen, denn viele Menschen zieht es in die freie Natur. Und die Kirche lockt mit immer neuen Angeboten. Es gibt Ehe- und Firmungsvorbereitung auf dem Martinusweg, Betriebsausflüge und Geburtstagsfeiern, sagt Achim Wicker, oder auch barrierefreie Pilgerstrecken für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator. Auch eine App als Pilgerbörse sei angedacht, damit Menschen leicht zueinanderfinden. Und so soll der Martinusweg immer noch bekannter werden.

Pilgern gegen die Lebenskrise

Sara pilgerte auf dem Jakobsweg, um eine Lebenskrise zu überwinden. Pilgern ist Trend: 2019 waren über 300.000 Wanderer auf dem Camino unterwegs durch Frankreich und Spanien.  mehr...

Problemlöser Pilgern

Mit einer Pilgerreise will Sara ihren Problemen auf den Grund gehen. Was sie bekommt ist Zeit zum Nachdenken und einen Mentor, der sie viele Dinge klarer sehen lässt.  mehr...

SWR1 Sonntagmorgen Pilgern: Auszeit für die Seele

Beim Pilgern kann man seine Heimat neu entdecken, Kraft tanken oder einfach die Natur genießen. Und das beste: Pilgern geht auch in der Corona-Pandemie.  mehr...

Sonntagmorgen SWR1

STAND
AUTOR/IN