Ein Teströhrchen mit einer Probe für einen Corona-Test mit der Aufschrift "infektiös" (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt)

Streit im Kampf gegen Corona

Palmer kontra Kretschmann: Tübingen will weiter kostenlose Corona-Tests anbieten

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Soll es auch künftig kostenlose Schnelltests für alle geben? Während Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann dagegen ist, geht Tübingen - mal wieder - seinen eigenen Weg.

Über ein Ende der Gratis-Corona-Tests wird heftig debattiert. In Tübingen sollen ungeachtet dessen weiter kostenlose Schnelltests angeboten werden. Nach Auskunft von Notärztin Lisa Federle, die mit ihrem Team das "Tübinger Modell" in ganz Deutschland bekannt gemacht hat, hat Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) diesem Vorschlag zugestimmt.

"Wir bekommen kein Geld von der Stadt, sondern finanzieren uns aus Spenden und dem Geld, das wir schon bekommen haben für die Tests."

Egal was ist, wir testen kostenlos weiter, bekräftigte die Tübinger Pandemiebeauftragte und DRK-Präsidentin Federle. Die Kosten dafür übernehme der Tübinger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes.

Eine Mitarbeiterin eines Testzentrums hält einen Teststab für einen Schnelltest auf das Coronavirus in ihren Händen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg)
Besonders in der kalten Jahreszeit sind Corona-Tests wichtig. picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Tests besonders in Herbst und Winter wichtig

Besonders mit Blick auf die anstehenden Erkältungserkrankungen im Herbst und Winter - mit Halsweh, Husten und Schnupfen - müsse es ein niedrigschwelliges Test-Angebot geben, um dies von Corona unterscheiden zu können, erklärte Federle. Deshalb bleibe in der Stadt mindestens eine Teststation bestehen. Sollte der Bedarf größer sein, werde das DRK das Angebot flexibel ausweiten, sagte Federle gegenüber dem SWR. Und Federle betont weiter ausdrücklich: Impfen ist außerdem weiter wichtig!

Boris Palmer, Grüne, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Mai 2021 (Foto: SWR, Jochen Krumpe)
Boris Palmer, Grüne Jochen Krumpe

Tübingens Oberbürgermeister unterstützt den Plan

Unterstützung für das Testangebot kommt vom Oberbürgermeister. Palmer äußerte sich auf seiner Facebookseite am Wochenende.

"Nach dem Willen vieler Politiker sollen Tests nicht mehr kostenlos sein. Das ist Druck mit dem Geldbeutel auf Menschen, die nicht geimpft sind."

Wenn Menschen mit geringem Einkommen von der Gesellschaft weitgehend ausgeschlossen werden, oder aber keinen Test machen, weil ihnen das zu teuer ist, und sie dann die Infektion weitergeben, dann ist das viel negativer zu bewerten als die Übernahme der Kosten durch die Allgemeinheit, betonte Palmer.

Zwei Länder-Regierungschefs wollen keine kostenlosen Tests

Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Baden-Württemberg, Stephan Weil (SPD) und Winfried Kretschmann (Grüne), hatten sich zuvor dafür ausgesprochen, Corona-Tests künftig in der Regel nicht mehr gratis anzubieten. Kretschmann äußerte sich in einem Interview der "Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten" vom Montag: "Auf Dauer wird die öffentliche Hand die Tests nicht finanzieren können," betonte der Ministerpräsident.

"Das ist auch eine Frage von fairer Lastenverteilung, denn es gibt ja ein kostenfreies Impfangebot für alle."

Kretschmann erhofft sich von der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag eine Linie, wie es im Herbst weitergehen soll.

Schnelltestzentrum Tübingen (Foto: SWR, Christoph Necker)
Das mobile Schnelltestzentrum mit dem Arztmobil auf dem Marktplatz in Tübingen Christoph Necker

Tübingen bekannt für offensive Teststrategie

Im Rahmen des Modellversuchs "Öffnen mit Sicherheit" hatten Bürger*innen in Tübingen von März an gegen Vorlage eines negativen Corona-Tests Außengastronomie, Einzelhandel und Kulturvorführungen besuchen können. Notärztin Lisa Federle bietet diese Tests mit ihrem Team schon seit Herbst des vergangenen Jahres an.

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