Narren ziehen beim Narrensprung 2022 durch das Schwarze Tor von Rottweil. (Foto: SWR, Hardy Faißt)

Schwäbisch-alemannische Fastnacht

Trotz Ukraine-Krieg und Corona: Narrensprung in Rottweil

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Der Narrensprung in Rottweil fand auch in diesem Jahr in abgespeckter Form statt. Zum eigentlichen Grund kam noch ein zweiter hinzu - warum die Narren dennoch feiern wollten.

Er ist einer der Höhepunkte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht - wegen der Corona-Pandemie ging der Narrensprung in Rottweil in diesem Jahr aber in kleinerer Form über die Bühne.

Rottweil

Fastnacht 2022 unter Auflagen Rottweil feiert Narrensprung trotz Krieg und Corona

Der Krieg in der Ukraine hat die Stimmung gedämpft. Und doch ging vielen das Herz auf, als am Montagmorgen der Narrenmarsch den traditionellen Rottweiler Narrensprung einläutete.

Statt der sonst bis zu 4.000 Narren nahmen nach Angaben der Stadt nur 1.000 teil. Die Besucherzahl sei von bis zu 20.000 auf 4.500 deutlich reduziert worden. Auch die Strecke war dieses Jahr kürzer als sonst. Dennoch waren pünktlich um 8 Uhr bei eisigen Temperaturen Tausende beim Narrensprung durch das mittelalterliche Schwarze Tor dabei.

Der Narrensprung in Rottweil mit Publikum (Foto: SWR, Hardy Faißt)
Der Narrensprung in Rottweil 2022 Hardy Faißt Bild in Detailansicht öffnen
Beim Narrensprung in Rottweil sind diesmal wegen Corona nur 1.000 Narren zugelassen. Hardy Faisst Bild in Detailansicht öffnen
Der Narrensprung in Rottweil 2022 Hardy Faißt Bild in Detailansicht öffnen
Der Narrensprung in Rottweil 2022 Hardy Faißt Bild in Detailansicht öffnen
Der Narrensprung in Rottweil 2022 Hardy Faißt Bild in Detailansicht öffnen

Um in abgesperrte Bereiche in der Innenstadt zu kommen, brauchten Gäste neben einer Einlasskarte einen Nachweis, dass sie mindestens zweifach geimpft, genesen oder negativ getestet sind (3G-Regel). Es galt Maskenpflicht - sofern man kein Blasinstrument spielte oder eine der Holzmasken, Larven genannt, das Gesicht verdeckte. Schon im Vorfeld waren die Narrensprünge am Montag und Dienstag ausverkauft.

Eindrücke aus der Rottweiler Innenstadt von SWR-Reporter Hardy Faißt:

Narrensprung während der Pandemie

Die Veranstaltung war kleiner als vor Corona - allerdings deutlich größer als im vergangenen Jahr, als pandemiebedingt nur rund 25 Narren im mittelalterlichen Stadtzentrum durch das Schwarze Tor sprangen. Rund 450 Zuschauerinnen und Zuschauer fanden sich bei klirrender Kälte ein. 2020 war der Narrensprung noch traditionell veranstaltet worden. Einen Tag später wurde der erste Corona-Fall in Baden-Württemberg gemeldet.

Bescheiden feiern trotz Krieges

Trotz des Krieges in der Ukraine wollten die Narren vielerorts im Land an ihren Bräuchen festhalten. Der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, hatte sich in der "Schwäbischen Zeitung" für eine bescheidene Fastnacht ausgesprochen, aber man solle nicht ganz auf Bräuche und Traditionen verzichten. "Wir sollten uns daran erinnern, dass die Fastnacht ein großes Miteinander ist, das Menschen zusammenführt", sagte Wehrle.

Froschkuttelnessen dieses Jahr ohne Kretschmann

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte seine Teilnahme am traditionellen Froschkuttelnessen der Narren in Riedlingen (Kreis Biberach) am Fastnachtsdienstag allerdings ab. Der Grünen-Politiker - nach eigener Aussage "leidenschaftlicher Fastnachts-Narr" - werde "angesichts der Weltlage" nicht an der Veranstaltung teilnehmen, sagte eine Sprecherin des Staatsministeriums in Stuttgart am Montag.

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Rosenmontagsbräuche in Tübingen und im Zollernalbkreis

In Hirschau im Kreis Tübingen wurden am Montagvormittag Strohbären gebunden und anschließend bei der "Rosenmontags-Fleckahopsete" durchs Dorf getrieben. In Erzingen im Zollernalbkreis sammeln die Pflommasäck seit dem Mittag traditionell Eier im Ort ein. Die werden dann anschließend der Balinger Tafel gespendet.

Tübingen

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Trotz offizieller Absage: einige Narren bei "Da-Bach-na-Fahrt"

Trotz offizieller Absage der traditionellen "Da-Bach-na-Fahrt" trieben am Fasnachtsmontag einige Narren in Zubern die Schiltach in Schramberg (Landkreis Rottweil) hinunter. Im Gegensatz zu den Jahren vor der Corona-Pandemie waren die Zuber dabei aber weniger aufwändig dekoriert, statt Tausender Zuschauer verfolgten nur wenige Hundert die privaten närrischen Bachfahrten.

Bei der traditionellen Da-Bach-na-Fahrt in Schramberg fahren die Narren mit Holzzubern die Schiltach herunter (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Mit ihren "Zuberbooten" begeben sich die Narren in Schramberg auf eine 400 Meter lange Strecke. (Archivbild von 2018) Patrick Seeger

Die Schramberger Narrenzunft hatte die Veranstaltung coronabedingt offiziell abgesagt - auch weil das Abzäunen des Bachs kaum möglich gewesen wäre. "Wir wollen nichts Abgesperrtes", hatte Zunftmeister Tobias Dold im Vorfeld gesagt. Große Massen könne man sich zur Fastnacht ebenfalls nicht vorstellen, stattdessen werde man in kleineren Runden feiern - und nicht öffentlich dafür werben. Diesem Motto folgten offenbar auch die wenigen privaten "Bach-na-Fahrer".

Kölner Karneval sagt Umzug ab - stattdessen Friedensdemo

Zahlreiche Karnevalisten haben sich am Rosenmontag am Chlodwigplatz versammelt und halten ein Schild mit der Aufschrift "Fuck you Putin" (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Oliver Berg)
Tausende Menschen demonstrieren am Rosenmontag in Köln für Frieden und Demokratie. picture alliance/dpa | Oliver Berg

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte am Donnerstag unter dem Eindruck des russischen Angriffs auf die Ukraine das Rosenmontagsfest mit einem Umzug im Kölner Stadion abgesagt. Stattdessen gab es nun eine Friedensdemonstration in der Innenstadt, an der sich bis zum Mittag mindestens 150.000 Menschen beteiligten. Das sagte der Sprecher des Festkomitees Kölner Karneval, Michael Kramp, am frühen Nachmittag im WDR Fernsehen unter Berufung auf die Polizei. "Es strömen immer noch von den Seitenstraßen Menschen hinzu." Es könne daher sein, dass die Zahl am Montagabend noch höher liege. "Aber Zwischenstand ist 150.000. Das ist Wahnsinn", so der Sprecher. Der Zug wurde angeführt von einem Karnevalswagen, der eine von einer russischen Flagge aufgespießte Friedenstaube zeigte.

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SWR