Ein Teilnehmer einer Bewässerungsaktion gießt einen Baum im Park.  (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Willnow)

Folgen der Hitzewelle

Trockenheit in BW: Darf man Trinkwasser noch zum Gießen verwenden?

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Johannes Böhler

In mehreren Landkreisen darf kein Wasser mehr aus Seen und Flüssen entnommen werden. Parallel dazu bittet eine Stadt ihre Bürger, Bäume mit Trinkwasser zu gießen. Wie passt das zusammen?

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Aufgrund der außergewöhnlichen Trockenheit haben mehrere Landkreise in Baden-Württemberg per Allgemeinverfügung Einschränkungen für die Wassernutzung erlassen. So gilt derzeit für den gesamten Kreis Reutlingen wie auch für den Kreis Tuttlingen und den Schwarzwald-Baar-Kreis ein Wasserentnahmeverbot aus Seen, Flüssen oder Bächen. In den Kreisen Tübingen und Calw ist lediglich das Abpumpen von Wasser aus Seen, Flüssen oder Bächen verboten - von Hand geschöpft werden darf es aber weiterhin.

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Parallel dazu fordern einige Städte, darunter die Stadt Freiburg, ihre Bürgerinnen und Bürger explizit dazu auf, unter Trockenheit leidende Bäume mit Trinkwasser zu gießen. Ist dafür noch genug Wasser da? Oder müssen wir wegen der Trockenheit Angst haben, dass unser Trinkwasser knapp wird?

Zeitweise erhebliche Einschränkungen in Neuffen

Was passieren kann, wenn das Trinkwasser tatsächlich knapp wird, war Ende Juli in der Stadt Neuffen (Kreis Esslingen) zu beobachten. Die dortige Verwaltung hatte erhebliche Einschränkungen der Trinkwassernutzung erlassen: Das Befüllen von Pools und Planschbecken, das Waschen von Autos und der Betrieb von Hochdruckreinigern wurde verboten. Selbst die Bewässerung von Rasenflächen und Beeten wurde untersagt. Diese Einschränkungen wurden jedoch Anfang August wieder aufgehoben, nachdem eine technische Störung im Wasserwerk Neuffen sowie zwei Wasserrohrbrüche wieder behoben waren.

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Im Kreis Reutlingen ist die Trinkwasserversorgung nach Auskunft des Landratsamts noch immer gesichert. "Engpässe sind weder einzeln noch flächenhaft zu verzeichnen", schreibt Pressesprecherin Jaqueline Laci in ihrer Antwort auf eine SWR-Anfrage. Die meisten Menschen hielten sich an das Entnahmeverbot, Verstöße seien nur vereinzelt zu verzeichnen. In der Fläche könne das Landratsamt die Einhaltung nicht kontrollieren. "Wir behalten uns jedoch vor, stichprobenhaft Überprüfungen vorzunehmen", so Laci. Bei Verstößen wird demnach ein Bußgeld fällig, dass sich sowohl nach der entnommenen Wassermenge als auch an der Empfindlichkeit des betroffenen Gewässers bemisst. "Die Geldstrafen betragen in der Regel rund 100 Euro", sagt die Pressesprecherin.

Stadt kann alleine nicht alle 42.000 Bäume versorgen

In Freiburg ist die Lage eine andere. Weil es die Stadt nicht mehr schafft, alle 42.000 öffentlichen Bäume zu gießen, konzentriert sie sich auf die Lebenserhaltung der jüngsten Exemplare. Damit die älteren Bäume dabei nicht verdursten, hat sie Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sich freiwillig als "Baumpaten" zu engagieren und auch die älteren Bäume durch Gießen zu retten.

Bereits am 1. August berichtete SWR Aktuell Baden-Württemberg über die Aktion:

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"Bisher läuft es ganz gut", antwortet Jutta Hermann-Burkart vom Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg auf Nachfrage des SWR. Einen genauen Überblick habe die Stadt zwar nicht, "aber wir haben schon den Eindruck, dass viele dem Aufruf gefolgt sind", sagt sie. Dafür sprächen auch die vielen E-Mails mit Fragen zu dem Thema.

Noch kein Wassermangel in Freiburg

"Viele Leute wollen wissen, ob sie dafür wirklich Trinkwasser verwenden dürfen. Die Antwort lautet ja", so die Beamte. "Schließlich geht es hier um den Klimaschutz - da sollten wir versuchen zu retten, was wir können." Bisher habe auch der Wasserversorger noch keinerlei Mangel signalisiert - falls das passieren sollte, werde der Aufruf sofort zurückgezogen.

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Damit es dazu aber nicht kommt, soll nur so viel Wasser verwendet werden wie unbedingt nötig. Rund 150 Liter braucht ein Baum alle vierzehn Tage, erklärt Hermann-Burkart. Beim Gießen sei es wichtig, das Wasser sanft einzugießen, damit möglichst wenig davon an der Oberfläche abfließt oder verdunstet. "Wie erfolgreich die Aktion war, sehen wir leider erst im kommenden Frühjahr", sagt Hermann-Burkart. "Denn erst wenn die Bäume ausschlagen, sehen wir, ob es Ausfälle gibt."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war die Stadt Neuffen dem falschen Landkreis zugeordnet. Das haben wir korrigiert.

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