Ein Segelboot einer Segelschule trainieren vor Kressbronn auf dem Bodensee, während ein Paar im Vordergrund auf der Terasse des Schlosses Montfort steht. Der See ist ruhig, es geht kaum Wind. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle)

Landesregierung will wichtigen Wirtschaftszweig stärken

Baden-Württemberg stellt Tourismus-Kampagne vor: für Vorteile bei den "eigenen Leuten" werben

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Schwarzwald und Bodensee sind beliebte Ferienziele in BW. Doch Corona hat dem Tourismus einen Dämpfer verpasst. Nun startet eine Kampagne der Landesregierung für die Branche.

Für die Bedeutung und die Akzeptanz des Tourismus will die grün-schwarze Landesregierung mit einer neuen Initiative werben. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) betonte am Dienstag, wie wichtig der Tourismus für die Wirtschaft im Land sei. "Im Tourismus sind mehr Menschen in Baden-Württemberg beschäftigt als im Fahrzeugbau. Das sind auch Arbeitsplätze, die nicht ins Ausland verlagert werden können." Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sichert der Tourismus das Einkommen von knapp 380.000 Menschen in Baden-Württemberg.

Bürgerinnen und Bürger sollen Bedeutung des Tourismus verstehen

Ziel der neuen Tourismus-Kampagne sei aber nicht, Werbung für das Urlaubsland Baden-Württemberg zu machen, erklärte Tourismus-Staatssekretär Patrick Rapp (CDU) bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag in Stuttgart. Entscheidend sei, die Menschen im Land von den Vorteilen des Tourismus zu überzeugen. "Die Einwohnerinnen und Einwohner sollen die Zusammenhänge zwischen Infrastruktur und Tourismus verstehen", sagte Rapp. Er schätzt, dass es etwa 300 Gemeinden in Baden-Württemberg gibt, die nur wegen der vielen Feriengäste noch eine intakte Infrastruktur haben.

"Ein Bäckermeister erzählte mir, was es für einen Unterschied macht, ob er 100 Brötchen morgens verkauft oder 500. Die Feriengäste sichern seine Arbeitsplätze."

Rapp wies auch auf die Bäderstandorte in Baden-Württemberg hin. Dort sei die medizinische Versorgung auch deshalb so umfassend, weil Kurgäste kämen.

Landesregierung will Wachstum der Branche sichern

Mit der Kampagne "Tourismus.Bewusst.Stärken" soll der Austausch mit der Bevölkerung, Entscheidungsträgern vor Ort sowie den Akteuren der Branche gestärkt werden. Dafür startet noch diese Woche laut Landesregierung eine Plakataktion und eine Werbeoffensive in den sozialen Medien mit dem Titel "Du bist Tourismus". Die Landesregierung setzt ein Budget von 3,35 Millionen Euro für die Kampagne insgesamt an. "Dadurch soll der Weg für ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum der Branche geebnet werden", hieß es.

Kritik von der Opposition an der Kampagne

Kritik kommt von der SPD im baden-württembergischen Landtag. Der tourismuspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Peter Storz, äußerte am Dienstag seine Bedenken zu der neuen Kampagne, weil es ja schon andere Kampagnen für Baden-Württemberg gebe. "Mehrere parallel laufende Kampagnen, unter anderem die umstrittene „THE LÄND-Kampagne“, sorgen langsam für Unübersichtlichkeit. Und die Frage muss erlaubt sein, wo hier eigentlich die Fäden zusammenlaufen sollen."

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"THE LÄND" weiter umstritten

Baden-Württemberg startete die Imagekampagne "THE LÄND" im vergangenen Oktober. Mit dem neuen Slogan und der dazugehörigen Werbung sollen laut Landesregierung vor allem Fachkräfte auf die Vorzüge des Landes aufmerksam gemacht werden. Der Anstoß für die international ausgerichtete Werbeoffensive kam unter anderem von den großen Wirtschaftsunternehmen des Landes. Die Kampagne "THE LÄND" ist laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des SWR vom April dieses Jahres in Baden-Württemberg noch eher unbekannt. Die Befragten, die sie kannten, bewerteten sie laut der Umfrage als eher negativ.

Tourismusbranche machte 25 Milliarden Euro Umsatz

Die Corona-Krise hat die Branche noch immer nicht hinter sich gelassen. 2021 war die Zahl der Übernachtungen nach Angaben des Statistischen Landesamts im Vergleich zum Vorjahr zwar um gut vier Prozent auf 35,6 Millionen gestiegen. Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 waren es im Land aber fast 38 Prozent weniger Übernachtungen. Vor der Pandemie wurde in den sechs Haupttourismus-Regionen in Baden-Württemberg ein jährlicher Umsatz von mehr als 25 Milliarden Euro pro Jahr gemacht.

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SWR