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Ab kommender Woche sind Arbeitgeber verpflichtet, ihren Beschäftigten Corona-Tests anzubieten. Der Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft spricht von "Symbolpolitik".

Unternehmen in Deutschland müssen ihren Mitarbeitern in Büros und Fabriken mindestens einen Corona-Test pro Woche anbieten. Das Bundeskabinett hat grünes Licht für eine entsprechende Verordnung des Arbeitsministeriums gegeben. Wirtschaftsvertreter kritisieren diese Pflicht und sehen darin einen "Akt der Verzweiflung" und einen "politischen Schauprozess".

Der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag kritisiert unter anderem, dass die Unternehmen die Kosten für die Tests übernehmen müssen. Außerdem sei die Beschaffung der Tests schwierig. Dagegen erklärte der Bundesverband der Maschinen- und Anlagenbauer, die angekündigte Pflicht zum Angebot von Corona-Tests sei handhabbar.

Unternehmerverband mittelständische Wirtschaft: Kosten nicht das Problem

Der Sprecher des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft, Ulrich Köppen, sieht die zusätzlichen Kosten für die Betriebe dabei nicht als vordergründiges Problem. Köppen sagte im SWR, durch die Corona-Krise gehe es den Unternehmen unterschiedlich gut. Er gehe davon aus, dass die Wirtschaft die Ausgaben für die Schnelltests bei der Steuererklärung werde berücksichtigen können. "Die Kosten sind sicherlich nicht so wahnsinnig hoch." Man müsse aber überlegen, welchen Aufwand man betreibe und was letztlich dabei raus komme.

So sei es problematisch, schon bis kommende Woche die erforderliche Menge an Tests aufzutreiben: "Wir haben hochgerechnet, dass man bundesweit pro Woche 50 Millionen Schnelltests organisieren muss. Wenn das nächste Woche Gesetz werden soll, bezweifeln wir, dass diese Menge logistisch in Deutschland organisierbar ist." Vor allem bei kleinen Betrieben sei er skeptisch, sagte Köppen.

Das Interview mit Ulrich Köppen vom 13. April 2021 zum Nachhören:

Mittelstand bezweifelt den Nutzen

Köppen verwies darauf, dass schon jetzt Unternehmen in Baden-Württemberg ihren Beschäftigten kostenlose Tests anböten. "Wir haben hier einen Automobilzulieferer und es nehmen aber nur 25 Prozent die Tests wahr. Denn es besteht keine Testpflicht für Arbeitnehmer, sondern eine Angebotspflicht - und das wird sehr unterschiedlich gehandhabt."  Köppen kritisierte auch, dass sämtliche Tests zugelassen seien - auch solche, die eine geringe Trefferquote hätten.

Köppens Fazit: "Das ist für uns eine Symbolpolitik, die typischerweise von einem SPD-geführten Ministerium kommt. Wir dürfen nicht vergessen: Wir befinden uns im Wahlkampf." Selbst das "Tübinger Modell" mit vielen Testungen habe am Ende nicht verhindern können, dass die Zahlen dort gestiegen seien. "Wir würden uns nicht dagegen wehren, wenn wir wüssten, dass diese Maßnahme definitiv zum Ergebnis hat, dass die Ansteckungsquote zurückgeht."

Impfen statt Testen

Tatsächlich könne der Mittelstand auf eine andere Weise einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten: "Wir wissen, dass ungefähr vier Millionen Impfungen in der Bundesrepublik ungenutzt herumliegen.  Wenn man an den Mittelstand appellieren würde, hier logistisch zu helfen, und die Impfdosen so schnell wie möglich an den Mann und an die Frau zu bringen, wäre mehr getan, als durch diese Testpflicht."

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