ein Mitarbeiter der Metallindustrie beim Schweißen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas)

Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie

Metall-Tarifstreit in BW: Am Tag Kontrahenten, abends Kumpels - das geht bei der Firma Rosenbauer

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Wolfgang Brauer
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Tamara Land
Tamara Land, SWR Wirtschaftsredaktion (Foto: SWR, SWR)

Es geht hart zur Sache bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Doch nach dem Tarifstreit muss man wieder zusammenarbeiten. Wie kann das gelingen?

Acht Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft IG Metall für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. "Utopisch" finden das die Arbeitgeber. Seit dieser Woche laufen die Tarifverhandlungen, heute beginnen die Gespräche auch in Baden-Württemberg. Schwierige Verhandlungen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber liegen - wie immer - weit auseinander. Doch im Alltag müssen die Tarif-Kontrahenten jeden Tag zusammenarbeiten. Wie funktioniert das?

Trennung zwischen Verhandlung und Alltagsgeschäft

Beim Karlsruher Feuerwehrautohersteller Rosenbauer klappt die Trennung zwischen Verhandlung und Alltagsgeschäft. Michael Kristeller ist Geschäftsführer bei Rosenbauer und zugleich Bezirksvorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Matthias Hochmuth ist bei Rosenbauer Betriebsratsvorsitzender und sitzt in der Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg. Feinde sind die beiden Männer jedoch nicht.

"Wir sagen immer, bis 18 Uhr streiten wir uns, und dann können wir auch mal ein Bier miteinander trinken!"

Der Betriebsratschef Matthias Hochmut sieht es ähnlich: "Wir streiten um die Sache, aber wir werden nicht persönlich. Und wir können uns hinterher nach jedem Streit auch wieder in die Augen gucken" , betont er.

Respektvolles Miteinander auch bei Streik

Das gilt auch, wenn die Gewerkschaft bei Rosenbauer zum Streik aufruft. Natürlich sei ein Warnstreik immer eine Konfrontation, räumt Geschäftsführer Michael Kristeller ein. Doch auch das hätten Firmenleitung und Belegschaft bis jetzt immer sehr gut hinbekommen. Streik sei eben ein verbrieftes Recht und das habe man in einer Demokratie zu respektieren, betont Kristeller. "Deswegen kriegen wir uns jetzt nicht persönlich in die Haare." So sieht es auch der Betriebsratsvorsitzende Hochmuth. Ein anständiger Umgang sei wichtig, auch für die Zeit nach dem Streik.

"Wir wollen gut miteinander weiterarbeiten - und ein Verhältnis, das einmal vergiftet ist, kann man schlecht wieder reparieren."

Freundlich im Ton - hart in der Sache

So wichtig beiden Seiten ein gutes Verhältnis ist - bei den Verhandlungen stehen sie sich bislang unversöhnlich gegenüber. Matthias Hochmuth verteidigt die Forderung seiner Gewerkschaft nach acht Prozent mehr Lohn. Die Kaufkraft der Mitarbeitenden müsse gestärkt werden, insistiert Hochmuth, für die Industrie sei das zumutbar, denn die Auftragsbücher seien voll. "Unser Problem ist, dass das Material nicht kommt. Aber wenn dieses Material kommt, dann ist die Situation der Aufträge sehr gut. Und dann werden diese acht Prozent auch gut von den Unternehmen verkraftet", ist sich Matthias Hochmuth sicher.

Langwierige Verhandlungen stehen bevor

Der Geschäftsführer und Bezirksvorsitzende des Arbeitgeberverbands Kristeller sieht das allerdings anders. Er fürchtet eine Rezession und sorgt sich um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Metallindustrie, wenn die Lohnabschlüsse zu hoch ausfallen. Bei vielen Firmen gehe es inzwischen um die Existenz. Kristeller stellt sich auf lange und schwierige Tarifverhandlungen ein, es stecke viel Sprengstoff in dem Konflikt. Aber am Ende wird auch bei dieser Tarifrunde ein Kompromiss stehen müssen.

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