Ein Signal steht zwischen Gleisen am Hauptbahnhof Hannover auf Rot.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Noch bis Mittwoch

GDL ruft zu erneutem Streik im Bahnverkehr auf - viele Züge in BW betroffen

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Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL weitere Arbeitskämpfe angekündigt. Bis Mittwoch werde gestreikt, so Gewerkschaftschef Claus Weselsky.

Zunächst ging es am Samstag um 17 Uhr mit dem Streik im Güterverkehr los. Der Arbeitskampf laufe allmählich an, es gebe nach und nach die entsprechenden Rückmeldungen der Streikleitungen vor Ort, sagte ein GDL-Sprecher am Samstagnachmittag. Lokführer und Lokführerinnen sowie Beschäftigte in den Werkstätten bei der Bahn-Tochter DB Cargo seien aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die Bahn bestätigte in Berlin auf Anfrage, dass die Aktionen begonnen hätten.

Bahnstreiks im Personenverkehr ab Montag

Im Personenverkehr sollen ab Montag um 2 Uhr die Züge stillstehen. Die Arbeitsniederlegungen sollen am Mittwoch um 2 Uhr enden. Bisher liege kein verhandelbares Angebot vor, erklärte die GDL, eine gütliche Lösung sei nicht in Sicht. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, möchten GDL-Mitglieder am Montag in Stuttgart zu einer Kundgebung auf dem Schlossplatz zusammenkommen, wie der Vorsitzende des GDL-Bezirks Süd-West, Lutz Dächert, am Samstag mitteilte. Daran soll demnach auch der stellvertretende Bundesvorsitzende Norbert Quitter teilnehmen.

Vergangene Woche hatte die Gewerkschaft zwei Tage lang den Personenverkehr der Bahn bestreikt und noch einige Stunden länger den Güterverkehr.

Streik trifft auch Regionalverkehr in Baden-Württemberg

Der Streik wird die Bahnkunden wieder auf eine harte Geduldsprobe stellen. Bundesweit soll laut Bahn ein Viertel der Fernverkehrszüge fahren. Im Regionalverkehr und bei S-Bahnen peilt die Bahn im Schnitt 40 Prozent an. Die S-Bahn Stuttgart versucht nach eigenen Angaben, auf Hauptlinien im Stundentakt zu fahren. Nahverkehrszüge der Anbieter Abellio und Go-Ahead sind nicht direkt von den Streiks betroffen und werden regulär fahren. Trotzdem wird nicht ausgeschlossen, dass es auch hier zu Behinderungen und Verspätungen kommen kann, weil zum Beispiel Gleise belegt oder Stellwerke unbesetzt sein können.

GDL will Druck erhöhen

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer will in der laufenden Tarifrunde den Druck erhöhen. Jens-Peter Lück, der Vizevorsitzende des Bezirks Süd-West, sagte der Deutschen Presse-Agentur, regionale Schwerpunkte im Land seien unter anderen Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe. Auch wegen eines Mitgliederzuwachses rechne er mit einer guten Beteiligung an dem neuerlichen Ausstand.

Bahn legt bislang kein verbessertes Angebot vor

Die Gewerkschaft fordert Lohnerhöhungen ab diesem Jahr und eine Corona-Prämie. Die Bahn will erst später mehr zahlen und den Tarif-Vertrag länger laufen lassen. In dem Konflikt spielt auch die Konkurrenz der GDL, die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), mit. Denn in den einzelnen Bahnbetrieben gilt jeweils der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern.

Bahngewerkschaft EVG will möglicherweise nachverhandeln

Die Bahn und die EVG haben sich vergangenen Herbst auf einen Tarifabschluss geeinigt. Hier könnte allerdings ein neuer Konflikt bevorstehen: Die EVG hat erklärt, sie wolle die gleichen Leistungen für ihre Mitglieder erreichen, wie sie die GDL jetzt erstreite. EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel erklärte, der Vertrag sehe vor, dass die Bahn mit der EVG neu verhandeln müsse, wenn sie einer anderen Gewerkschaft mehr zugesteht. "Wann dieser Tarifkonflikt vorbei ist, bestimmen wir", so Hommel.

Mehr Geld für Beschäftigte des Bahnunternehmens Go-Ahead

Unterdessen hat sich die GDL mit dem wesentlich kleineren Bahnunternehmen Go-Ahead auf einen Tarifabschluss geeinigt. Das haben das Unternehmen und die Gewerkschaft am Freitag mitgeteilt. Die Beschäftigten erhalten demnach verteilt über mehrere Schritte bis zum Frühjahr 2023 insgesamt 4,7 Prozent mehr Geld. Zugleich erhalten die Arbeitnehmer in diesem Oktober eine Corona-Beihilfe von 600 Euro. Der Tarifvertrag läuft bis Ende Juni 2023. Go-Ahead hat seinen Sitz in Stuttgart und betreibt mehrere Bahnstrecken in Baden-Württemberg, die zum Teil bis nach Bayern hineinreichen.

S-Bahn in Stuttgart stellt Betrieb teilweise ein

Ein ganz anderes zusätzliches Problem hat die S-Bahn in Stuttgart. Bei Routinekontrollen wurde an Fahrzeugen ein erhöhter Radverschleiß entdeckt. Da dies ein sicherheitsrelevantes Problem ist, müssen Züge in die Werkstätten und können deshalb nicht eingesetzt werden. Insgesamt fehlen somit Fahrzeuge. Auf der Gäubahn fahren deshalb zwischen Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen keine S-Bahnen. Stattdessen pendelt laut Bahn ab Samstag ein Doppelstockzug auf dieser Strecke im Stundentakt.

Lokführerstreik bei der Bahn Fragen und Antworten: Das sind Ihre Fahrgastrechte beim Bahnstreik

Die Lokführergewerkschaft GDL streikt im Personenverkehr ab Donnerstag, 2. September, um 2 Uhr früh. Viele Züge werden erneut ausfallen oder sich verspäten. Fragen und Antworten zur Erstattung.

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SWR