Die Wirtschaft in Baden-Württemberg schaut auf den Konflikt zwischen China und Taiwan. Hier stapeln sich Container im Hafen der chinesischen Stadt Suzhou. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / CFOTO | CFOTO)

Zulieferteile und Rohstoffe

So abhängig sind BW-Unternehmen von China

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Jochen Braitinger
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Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt (Foto: SWR)

Die Chipkrise, der Rohstoffmangel und die unterbrochenen Lieferketten zeigen, wie abhängig die Wirtschaft in Baden-Württemberg von China ist. Dabei sieht zahlenmäßig alles gut aus.

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes von Baden-Württemberg spiegeln eine relativ ausgeglichene Handelsbilanz wieder. Im zuletzt erfassten Jahr 2021 steht dem Import von 18,4 Milliarden Euro der Export nach China von 19,5 Milliarden Euro gegenüber. Insgesamt macht der Handel mit China knapp 9 Prozent der gesamten Ex- und Importe aus.

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Viele Zulieferteile kommen aus Fernost

Schaut man genauer hin, fällt auf, dass viele Unternehmen in Baden-Württemberg von Zulieferteilen oder Rohstoffen aus China abhängen. So kommt kaum ein Elektrogerät oder ein Auto, das hierzulande produziert wird, ohne Elektronik aus Fernost aus. Ein einziges nicht geliefertes Bauteil kann ganze Produktionsstätten lahmlegen. Liefert China oder Taiwan weniger Zulieferteile, wird es deshalb schnell schwierig. Ersatz auf dem Weltmarkt zu beschaffen ist nur zu sehr viel höheren Preisen und auch dann nicht sofort möglich.

Foto von Peer-Michael Dick, Arbeitgeberverband Unternehmen BW (Foto: SWR)
"Die Abhängigkeit von China ist groß. Wir haben allein in China zehnmal so viel Investitionen wie in der Ukraine gehabt", sagt Peer-Michael Dick, Arbeitgeberverband Unternehmen BW.

"Das sind solche Verflechtungen innerhalb unserer Industrie untereinander nach China, Taiwan und umgekehrt", sagt Peer-Michael Dick vom Arbeitgeberverband Unternehmen Baden-Württemberg. Die Folgen eines Boykotts oder Lieferstopps könne man überhaupt nicht berechnen. Sie seien aber exorbitant, so Dick weiter.

Weg aus der Abhängigkeit

Es habe fast zwei Jahrzehnte gedauert, China in die Weltwirtschaft zu integrieren, meint LBBW Chefvolkswirt Moritz Kraemer. "Man kann also so einen Supertanker, ein Geflecht von Abhängigkeiten nicht über Nacht verändern". Trotzdem versuchen die Unternehmen in Baden-Württemberg unabhängiger zu werden. Zum Beispiel, in dem sie die Lagerhaltung vergrößern oder versuchen, Vorprodukte auch aus anderen Ländern zu organisieren. Das helfe, um "mehr Beinfreiheit bei Spannungen zu bekommen", so Moritz Kraemer weiter.

Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der LBBW zur Abhängikeit von China (Foto: SWR)
"Das Ziel von China ist es, sich unabhängig zu machen und eine gewisse technologische und wirtschaftliche Hegemonialmacht zu werden", Moritz Kraemer, Chefvolkswirt LBBW

China exportiert Rohstoffe zur Produktion in BW

Bei den Rohstoffen bietet sich ein ähnliches Bild: In einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft wurde unter anderem festgestellt, dass der Rohstoff Magnesium zu 50 Prozent aus China stammt, gefolgt von sogenannten Metallen Seltener Erden mit 45 Prozent. China sei der weltweit größte Exporteur von Magnesiummetall. Maschinenbauer, Autohersteller oder auch die Chemische Industrie - viele Branchen hängen davon ab. Das Institut warnt vor einer zu großen Abhängigkeit von den Lieferungen aus China.

Autobauer hängen am Massenmarkt China

China ist für Autohersteller ein wichtiger Absatzmarkt. So auch für die Stuttgarter Mercedes-Benz Group. Luxuslimousinen und SUVs verkaufen sich im Reich der Mitte besonders gut: Über ein Drittel dieser Modelle finden in China ihren Kunden - mit steigender Tendenz. Medienberichten zufolge steuert das Land laut Insidern mitunter sogar die Hälfte des Konzerngewinns bei.

Wie hoch der Gewinn dort genau ausfällt, verrät Mercedes-Benz allerdings nicht. Mit dem von Konzernchef Ola Källenius erklärten Ziel, künftig verstärkt Fahrzeuge im Luxussegment anzubieten, könnte sich die Abhängigkeit vom Reich der Mitte sogar noch weiter erhöhen.

Freihandel oder Freiheit für Taiwan?

China in Sachen Menschenrechte die Stirn zu bieten, beinhaltet das Risiko, womöglich sanktioniert zu werden. Weil schnell das Geld ausgehen kann, wenn Zulieferteile wegen Sanktionen fehlen oder der Absatzmarkt China wegbricht, sehen die Unternehmer hierzulande das auch als Gefahr. Die Sorge davor lässt viele vorsichtig werden. Ein Besuch von Politikern aus Deutschland in Taiwan könnte als Provokation verstanden werden.

Mitte Oktober habe die chinesische Führung ihren großen Parteitag, da sei die chinesische Führung immer besonders empfindlich, sagt Peer-Michael Dick vom Arbeitgeberverband Unternehmen BW. "Ich glaube nicht, dass vorher was passieren wird. Wir sollten aber umgekehrt von unserer Seite nicht unbedingt Öl ins Feuer gießen."

Ähnlich sieht das der Chefvolkswirt der LBBW, Moritz Kraemer, allerdings eingeschränkt: "Wir sind natürlich nicht dazu da, China irgendwie in einem Wohlfühl-Kokon zu halten". Zur Diplomatie gehöre aber auch die Wahl eines guten Zeitpunktes, um Themen wie Menschenrechte oder die Selbständigkeit von Taiwan anzusprechen.

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