Neil Armstrong und Edwin E. Aldrin mit der Fahne der USA auf dem Mond (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Baden-Württemberg vor 50 Jahren Was am Tag der Mondlandung sonst noch passierte

In Deutschland ist es tief in der Nacht, als die "Eagle" am 20. Juli 1969 auf dem Mond aufsetzt. Millionen Menschen in Baden-Württemberg verfolgen das Ereignis im Fernsehen. Am nächsten Tag berichten die Zeitungen darüber - haben aber auch andere Meldungen im Angebot.

In Stuttgart-Untertürkheim zum Beispiel lädt Autohersteller Daimler Presseleute zur Verkostung von Astronautennahrung ein. Einem Zeitungsbericht von damals zufolge kamen die schwäbischen Brezeln besser an. Dabei hatte die Mahlzeit aus Houston in Texas (Kartoffelsuppe, Apfelmus, Bananenpudding und Erbsen) rund 900 US-Dollar gekostet.

Zwei junge Damen beim Verzehr von Astronauten-Nahrung am 21.07.1969 in Stuttgart. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
21.7.1969 in Stuttgart: Zwei Frauen probieren Weltraumkost. Ein Vertreter der Daimler-Benz AG hatte einige der in Plastiktüten verpackten Speisen für die US-Astronauten aus Houston (Texas) mitgebracht. Diese wurden nach der Mondlandung zum ersten Mal in Europa serviert. Picture Alliance

Was passierte noch am 20. Juli?

Ein Blick auf die Nachrichten vom Tag der Mondlandung zeigt, was die Baden-Württemberger sonst noch beschäftigte. So geht am Sonntag, dem 20. Juli, in Stuttgart der 14. Evangelische Kirchentag zu Ende. 33.000 Menschen versammeln sich in der Benz-Arena, die damals noch Neckarstadion hieß. Kirchentagspräsident Richard von Weizsäcker hält eine Abschiedsrede, das Podium wird von einer Gruppe Jugendlicher gestürmt, die fordern, dass der Kirchentag demokratisiert werden müsse - und es ist ziemlich heiß, berichtet die "Stuttgarter Zeitung".

Fritz Reiss (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Kirchentagspräsident Richard von Weizsäcker spricht im Neckarstadion Picture Alliance

Heiß ist es auch den Männern vom "Reinigungstrupp", die nach der Großveranstaltung die "gewaltige" Flut von Papier und Müll beseitigen müssen. Die "Stuttgarter Zeitung" betitelt es am 22. Juli wenig pazifistisch als die "Besen-Schlacht".

Ein Déjà-vu: der VfB in der Krise

Großen Raum in der Berichterstattung nimmt auch der VfB ein. Am 21. Juli heißt es, der Verein befinde sich in der "schwerster Führungskrise seiner Geschichte". Schon damals also war das ein Thema.

Der Nationaltrainer der Tschechoslowakei, Frantisek Bufka (r.), im September 1968 neben dem Verleger Hans Weitpert (Foto: dpa Bildfunk, Fritz Fischer)
Verleger Hans Weitpert (l.) und Frantisek Bufka (r). Fritz Fischer

Die Hauptversammlung des Vereins in der Nacht auf den 19. Juli soll eine der "stürmischten in der Vereinsgeschichte" gewesen sein, schreiben die "Stuttgarter Nachrichten" am 21. Juli. Und weiter: "Überraschend aus dem Rampenlicht gestoßen wurde Frantisek Bufka, designierter VfB-Trainer. Bufka hat in Duisburg-Wedau die deutsche Fußball-Lehrerprüfung nicht bestanden. Überraschend - zumindest für die Vorstandschaft des VfB - ins Rampenlicht getreten ist Senator Weitpert, den man an der VfB-Spitze bereits abgeschrieben hatte." Weitpert stellt sich zur Wahl und um es vorwegzunehmen: Zwischen 1968 und 1975 ist er Präsident des VfB Stuttgart.

Es passiert viel in Baden-Württemberg am 20. und 21. Juli 1969

Es passiert einiges in Baden-Württemberg, während Neil Armstrong und seine Kollegen auf dem Mond herumspazieren. Am 20.7. tritt beispielsweise die Rechtsverordnung des Regierungspräsidiums Nordbaden zum Schutz gegen die Hühnertuberkulose in der Gemeinde Rittersbach des Landkreises Mosbach in Kraft. Fünfhundert Pädagogen aus aller Welt treffen sich in Stuttgart zu einer Tagung der Waldorfschulen und üben sich in Malen und Zeichnen. Außerdem macht auch Jan Bell am 21. Juli einen "großen" Schritt. Er tritt sein Amt als "Her Britannic Majestys Consul-General" in Stuttgart an, nachdem er die letzten drei Jahre Botschafter in der Dominikanischen Republik war.

Die Ulmer legen auch 1969 ihren Schwur ab

Der Schwörmontag, er findet auch 1969 statt. Bevor alle beim Nabada auf der Donau herumplanschen, nimmt der Oberbürgermeister der Stadt, Theodor Pfizer, am 21. Juli in seiner Rede Bezug auf die Mondlandung. "Wir sind bei der Verfassungsfeier dieser Stadt nicht losgelöst von den Völkern dieser Welt, von dem Streben der Menschheit, im Weltraum Himmelskörper zu erobern." Gleichwohl, näher als der Mond liege den Deutschen die bevorstehende Wahl zum Bundestag, zitiert ihn die "Stuttgarter Zeitung".

Derweil lädt die Gemeinde Lenzkirch (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) die Mondfahrer der Apollo 11-Mission in den "Stuttgarter Nachrichten" ein, zu einem vierwöchigen Erholungsaufenthalt in dem heilklimatischen Schwarzwaldkurort.

Sommerferien! - Und das Wetter ist durchwachsen

Drei Tage nach der Mondlandung beginnen für die Schüler in Baden-Württemberg übrigens die Sommerferien. Sie können sich also schnell von der aufreibenden Nacht der Mondlandung erholen.

Das Wetter war leider etwas unbeständig 1969. Die über Süddeutschland verlaufende Hochdruckzone schwächte sich im südlichen Teil etwas ab, blieb aber weiter wetterbestimmend. Es werde wolkiger und leicht unbeständig, bei Höchsttemperaturen von 26,2 Grad - hieß es in der Wettermeldung vom 21. Juli.

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