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Der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann hat am Mittwochabend über die schrittweisen Lockerungen der Corona-Regeln berichtet. Er warnt vor einer zweiten Infektionswelle.

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SWR Fernsehen BW

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die nur langsame Rückkehr in die Normalität wegen der Corona-Krise gerechtfertigt. Wenn man alles schon jetzt wieder gleichzeitig öffnen würde, wären der "Sog in die Innenstädte und Shopping-Center zu groß" und das Risiko einer erneuten Infektionswelle zu hoch, sagte er nach Beratungen von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise am Mittwoch.

"Wir fahren auf Sicht, weil es solch eine Pandemie ja noch nie gab", sagte Kretschmann. Er warnte vor einer zweiten Infektionswelle. Nur mit einem schrittweisen Vorgehen habe der Staat die Möglichkeit, den Verlauf der Pandemie zu steuern und gegebenenfalls das Vorgehen zu korrigieren. Deshalb werde man sich langsam vortasten und das Handeln immer wieder aufs Neue überprüfen.

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SWR Fernsehen BW

Kretschmann stimmt Menschen auf Tragen von Masken ein

"Stellen Sie sich ein, in Bälde könnte es ein Gebot zum Tragen von 'Alltagsmasken' geben", so Kretschmann. Die Verbreitung des Virus könne so gebremst werden. Stoffmasken reichten aber vorerst vollkommen aus.

Eine Rückkehr zur Normalität werde es laut Kretschmann erst geben, wenn es einen Impfstoff gäbe. Großveranstaltungen seien bis Ende August sicher nicht möglich. Dann müsse man neu entscheiden. Man müsse die Epidemie so gut wie möglich in Schach halten und lernen damit umzugehen. "Wir werden es schaffen, wenn Sie sich weiter so diszipliniert verhalten wie bisher", so Kretschmann.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Schulen in BW öffnen schrittweise

Baden-Württemberg wird seine Schulen schrittweise "und stark eingeschränkt" ab dem 4. Mai öffnen. Das hatte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bereits zuvor angekündigt. "Wir beginnen dabei mit den Schülerinnen und Schülern aller allgemeinbildenden Schulen, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen, sowie den Abschlussklassen der beruflichen Schulen", teilt sie mit.

In einem nächsten Schritt sollten die Viertklässler an die Grundschulen zurückkehren, "damit der Übergang auf die weiterführenden Schulen möglichst geordnet gestaltet werden kann." Ausnahmen soll es beispielsweise für Lehrer geben, die zur Risikogruppe wegen ihres Alters, einer Vorerkrankung oder einer Schwangerschaft gehören. Diese würden bis auf Weiteres nicht an den Schulen unterrichten. Gleiches gelte für Schüler, die vorerkrankt seien oder deren Eltern zur Risikogruppe gehörten. Nach den Angaben von Eisenmann hätten die Schulen nun ausreichend Zeit, sich auf "die unabdingbaren Hygiene- und Abstandsregelungen vorzubereiten".

Kretschmann plädiert für Zurückhaltung

Ministerpräsident Kretschmann sagte am Mittwochabend: Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll die Kultusministerkonferenz einen Plan vorlegen, wie dann auch die weiteren Klassen schrittweise wieder öffnen können. Er plädiere für Zurückhaltung, sagte er. Daher blieben auch Kindergärten und -tagesstätten weiter geschlossen, doch die Notbetreuung werde auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet.

Bei den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Baden-Württemberg nach SWR-Informationen dem Vorschlag des Bundes zugestimmt, die Kontaktbeschränkungen bis zum 3. Mai zu verlängern.

Geschäfte bis 800 Quadratmeter sollen wieder öffnen

Kontroversen gibt es darum, wie lange Kirchen noch geschlossen bleiben. Der Bund schlägt vor, dass Zusammenkünfte in Kirchen zunächst untersagt bleiben. Dagegen will Baden-Württemberg einen konkreten Zeitpunkt festlegen.

Im Land sollen kleinere und mittlere Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter strengen Auflagen frühestens von Montag an wieder öffnen dürfen. Auch Autohändler, Fahrradhändler und Buchhandlungen könnten in ihren Läden von der kommenden Woche an und unabhängig von der Fläche Kunden betreuen und den Verkauf aufnehmen, sagte Kretschmann am Mittwochabend. Baumärkte und Supermärkte hatten auch in den vergangenen Wochen geöffnet. Mit persönlicher Schutzausrüstung sollen ab dem 4. Mai auch Friseure ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Gastronomen und Hotels gehen leer aus.

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Strobl: "Richtiger Zeitpunkt für Wiedereinstieg in normales Leben"

Bei einem schrittweisen Vorgehen müssten bestimmte Grenzen festgelegt werden, räumte Kretschmann ein. Das könne leider für einige Betroffene "nachher nicht immer ganz logisch und widerspruchsfrei erfolgen", sagte er.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte, es sei die richtige Zeit für einen vorsichtigen Wiedereinstieg in ein normaleres Leben. "Alles andere hätte man den Menschen nicht länger zumuten und erklären können, und auch der Wirtschaft nicht", sagte er.

Kretschmann fordert auf, Handy-App zu nutzen

Kretschmann forderte die Bevölkerung auf, eine Handy-App zur Kontaktkontrolle zu nutzen, so bald diese zur Verfügung gestellt werde. Damit wollen die Gesundheitsämter Infektionsketten nachverfolgen können. Physischer Kontakt soll weiter vermieden und Abstandsregeln sollen eingehalten werden.

Um die Infektionsrate durch das Coronavirus möglichst unter Kontrolle zu halten, gelten in Deutschland seit 23. März Kontaktbeschränkungen.

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