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Mindestens ein- bis zweimal die Woche "stürmen" zwei Freiburger Richter den Schauinsland, den Freiburger Hausberg. Powerwanderung als Frühsport. Danach geht's erfrischt ins Gericht.

Mal ist jeder alleine unterwegs, am liebsten aber sind sie zu zweit: Zackig steigen sie den Berg hoch, "stürmen" ihn geradezu. Eine Stunde und zwei Minuten ist ihr Rekord. Hinunter geht's dann ganz bequem mit der Schauinslandbahn.

Morgens kurz nach 8 Uhr an der Schauinslandbahn. Auf dem Parkplatz machen sich Christoph Tillmanns und Manfred Arnold bereit für den Aufstieg. Der Beginn ihrer Bergtouren war ein Zufall mit medizinischem Hintergrund.

"Ich hab' früher Berglauf gemacht, und dann sagte der Orthopäde mir, ich solle mir den restlichen Knorpel im Knie gut einteilen. Und dann hab ich nach Alternativen gesucht: weiter bergauf aber nicht mehr bergrunter. Und das hier hat sich angeboten. Also da sind wir mit der Schauinslandbahn gesegnet, man kann orthopädisch korrekt vom Berg runterkommen, um die Knie zu schonen."

Christoph Tillmanns, Richter und Bergläufer aus Freiburg

Es ist ein schmaler Pfad, die kürzeste Verbindung von der Talstation Richtung Gipfel. Hinter ihnen fährt gerade die erste Gondel. Drinnen kein Bergtourist, der die beiden Bergsteiger überholen will. Es ist der Cheftechniker der Bahn beim morgendlichen Sicherheits-Checkup, bevor der Fahrbetrieb beginnen kann.

Sie sind beide Richter am Freiburger Landesarbeitsgericht - der eine aktiv, der andere seit kurzem im Ruhestand. Reden würden sie nicht viel beim Aufstieg, sagen sie.

"Selbst wenn man zu zweit läuft, ist man doch oft für sich alleine in seinen Gedanken. Das ist überhaupt das Schöne, da kriegt man den Kopf frei, das ist wirklich gut. Früher haben wir uns unsere Fälle erzählt und sie besprochen. Heute sind es aktuelle Themen - Corona ist ein Thema im Augenblick - das lässt sich nicht vermeiden. Das ist auch arbeitsrechtlich ein spannendes Thema muss man sagen."

Christoph Tillmanns, Richter und Bergläufer aus Freiburg

Aber spätestens jetzt verblasst Corona und alles andere. Es wird steinig und richtig steil. 811 Höhenmeter müssen sie schaffen auf gut fünf Kilometern Weg.

"Wenn man wirklich auf die Tube drückt braucht man nicht zu joggen. Da reicht zügig zu laufen, denn die Steigung - auf fünf Kilometer ungefähr 800 Höhenmeter - belastet den Kreislauf entsprechend. Man sieht ja: Wir sind ganz schön nass geschwitzt."

Christoph Tillmanns, Richter und Bergläufer aus Freiburg

Eine Stunde und 15 Minuten später - die Bergstation der Bahn und der Gipfel. Geschafft, zum 500. Mal vielleicht, gezählt haben sie nicht. Doch dieser Moment ist für beide jedesmal wieder erhebend.

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