Ortsschild von Rheinfelden (Kreis Lörrach) (Foto: SWR, Matthias Zeller)

Energiewende mit Nahwärmenetzen

Rheinfelden: Zusammenschluss bei Nahwärmeversorgung spart jährlich 10.000 Tonnen CO2

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AUTOR/IN
Gabi Krings

Rund 70 Prozent der Haushalte in Deutschland heizen mit Gas oder Öl. Besser für Geldbeutel und Klima ist die Nutzung von industrieller Abwärme. Rheinfelden macht es vor.

Die Stadtwerke Rheinfelden (Kreis Lörrach) und der dort ansässige Energieversorger Energiedienst wollen ihre Nahwärmenetze zusammenlegen. Der Kooperationsvertrag wurde am Donnerstag unterschrieben. Im Mai soll der Zusammenschluss dann erfolgen.

Gemeinsames Wärmenetz für ganzes Stadtgebiet

Seit 2015 versorgen die Stadtwerke Rheinfelden mit einem zehn Kilometer langen Netz rund 100 Haushalte und kommunale Gebäude mit Nahwärme aus zwei Blockheizkraftwerken und zwei Biomassekesseln. Die Energiedienst AG wiederum hat 2017 ein Nahwärmenetz in Betrieb genommen und beheizt damit etwa 300 Wohnungen. Das Ziel ist, das Netz nun für die ganze Stadt auszubauen.

Wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Die Energiedienst AG nutzt für ihr Nahwärmenetz die Abwärme des Rheinfelder Chemiewerks Evonik. Dessen Kapazitäten sind längst nicht ausgeschöpft. Beim Produktionsprozess in der Industrieanlage entsteht Abwärme für mehrere tausend Haushalte. Deshalb wollen die Stadtwerke dort nun eine weitere Wärmeauskopplungsanlage errichten. Das Projekt soll auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Nahwärme aus Abwärme sei eine nachhaltige Wärmeversorgung, die der Umwelt den Ausstoß von rund 10.000 Tonnen CO2  pro Jahr erspart, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

"Der Zusammenschluss unserer Nahwärmenetze bietet die Chance, das gesamte Stadtgebiet mit Nahwärme zu versorgen und ist für mich ein starkes Zeichen für den Klimaschutz.“

Der Oberbürgermeister von Rheinfelden Klaus Eberhardt (rechts) und Jörg Reichert von der Energiedienst AG (links) haben einen Kooperationsvertrag über ein gemeinsames Nahwärmenetz unterschrieben. (Foto: Stadt Rheinfelden)
Rheinfeldens OB Klaus Eberhardt (rechts) und Jörg Reichert von der Energiedienst AG (links) haben einen Kooperationsvertrag über ein gemeinsames Nahwärmenetz unterschrieben. Stadt Rheinfelden

Stabile Preise durch Abwärmeverwertung

Für Jörg Reichert, Vorstand der Energiedienst AG, kommt die Zusammenlegung angesichts historisch hoher Energiepreise zu einem guten Zeitpunkt. Der Preis für industrielle Abwärme sei konstant, das bedeute Verlässlichkeit für Kunden und Unternehmen. Reichert verweist auch darauf, dass die Abwärme des Evonik-Werks bislang größtenteils ungenutzt in die Umwelt abgegeben wird. Die Nutzung des 90 Grad heißen Wassers sei also ein wichtiger Baustein für Klimaschutz und Wärmewende.

Grundlage für nachhaltige Wärmeversorgung in Rheinfelden

Die Bürgerinnen und Bürger sollen nun über gesetzliche Anforderungen bei der Erneuerung der Heizung und Anschlussvoraussetzungen an das Nahwärmenetz sowie Fördermöglichkeiten informiert werden. Stadtwerke und Energiedienst planen dazu mehrere Veranstaltungen. Damit die Energiewende in Rheinfelden an Fahrt aufnimmt, sollen die ersten 100 Kunden, die sich an das Wärmenetz anschließen lassen, zwei Monate lang die Wärmeenergie gratis bekommen.

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Gabi Krings