Zukunftsbauern Sven Steiert und Julie Kosak: Cow-Funding auf dem Maierhof in Freiburg-Kappel (Foto: SWR)

Nächste Generation übernimmt

Zukunftsbauern: Cow-Funding auf dem Maierhof in Freiburg-Kappel

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Julie und Sven lernen sich in Wien kennen und übernehmen den Hof seiner Eltern am Schauinsland. Ihr Konzept: Sie vermarkten ihre Kühe mit Cow-Funding.

Hobby-Landwirt Moriz Vohrer vom Schauinsland hatte die Idee: Cow-Funding - also Kuh-Finanzierung. Man sucht sich das Rind oder Lamm auf Fotos im Internet aus, bezahlt im Voraus den gewünschten Fleischanteil und bekommt ein paar Wochen später vom Landwirt persönlich die Steaks in die Hand gedrückt - oder sie kommen per Post. Julie aus Wien und Sven vom Maierhof in Freiburg-Kappel haben den Hof von Svens Vater übernommen und vermarkten ihre Rinder unter anderem über Cow-Funding. Sie sind beide Mitte 20 und haben noch viele Pläne für die Zukunft.

"Sven ist hier auf dem Hof aufgewachsen und war bei mir in Wien", erzählt Julie Kosak, "und dann haben wir die Entscheidung getroffen, weil wir gesehen haben wie viel in der Landwirtschaft auch falsch läuft. Wir haben uns gesagt: Hey, wir machen das, Svens Eltern haben den Hof, wir kommen hierher, übernehmen den Betrieb und schauen, dass Landwirtschaft wieder mehr Zukunft bekommt." Julies Freund Sven Steiert, Landwirt in Freiburg-Kappel, ergänzt: "Ich hatte mit dem Landleben eigentlich mehr oder weniger abgeschlossen gehabt, bin dann in Wien gelandet, in der Gastronomie. Dann haben wir uns schon länger überlegt gehabt, ob das hier nicht eine gute Idee wäre und letztendlich haben wir uns entschieden: Komm, wir probiern's, wir machen das."

Cow-Funding: landwirtschaftliche Hochwert-Produkte online

Besuch von Cow-Funding Gründer Moriz Vohrer - er hatte vor vier Jahren die Idee für eine nachhaltige Landwirtschaft und wie man Kuh und Kunde auf gute Weise zueinander bringt. Im Internet kann man Teile von Kühen und mittlerweile auch Lämmern und Hühner kaufen. Die kommen dann direkt nach Hause per Post oder man holt sie direkt am Hof ab. Moritz Vohrer: "Der Kunde hat wirklich sein hochwertiges Produkt zum fairen Preis. Und hinten stehen die Landwirte, die sich auch gut fühlen - weil sie gesehen werden mit dem was sie tagtäglich vor Ort arbeiten."

"Die Landwirte bekommen ein bisschen mehr Geld und das kann man dann ins Tierwohl reinvestieren. Der Kunde weiß wo sein Fleisch herkommt. Das war unserer Meinung nach generell eine gute Möglichkeit in die richtige Richtung zu gehen."

Frische Eier aus dem Maierhof-Automaten machen happy

Heu für die Hühner - dieses Jahr war die Heuernte besonders schwierig wegen des vielen Regens. Die Hühner und ihre Eier gehören zum Gesamtkonzept auf dem Maierhof, denn viele Standbeine helfen beim Überleben. Julie Kosak erklärt das Konzept: "Wir halten die Hühner für Eier. Unsere Hühner leben in drei Gruppen in autarken Stallungen und sie dürfen so lange bei uns bleiben, solange sie Eier legen. Danach gibt es Suppenhühner oder Frikassee für den Verkauf."

Ihr Hofladen-Automat brauchte eine Weile, bis er bekannt wurde, doch jetzt müssen sie ihn ständig bestücken. Besonders begehrt sind die Eier ihrer glücklichen Hühner vom Maierhof. Sven Steiert erinnert sich: "Bis mal alle das wussten - selbst unsere Nachbarn wussten lange nichts von dem Automaten, da mussten wir im Dorfblättle was inserieren. Inzwischen läuft's gut und die Leute sind happy."

"Es bietet sich einfach an. Hier in der Nähe gibt's keinen Supermarkt - es ist total praktisch hier die Wurst, die Eier und das Fleisch frisch zu holen."

Maierhof-Konzept: bedrohten Tieren ein Zuhause geben

Die ungarischen Zackelschafe sind eine aussterbende Rasse und für Julie Kosak sowas wie Haustiere. Die schüchternen Schafe brauchen viel Zuwendung und Julie Kosak kümmert sich liebevoll um sie: "Wir haben hier einfach viel Fläche und viel Platz und haben gesagt: Wir wollen solchen Rassen ein Zuhause bieten, wo sie keine Pflicht erfüllen müssen. Also bei uns sind sie einfach mehr Haustiere - kümmern sich aber super um Brombeeren, Disteln und verbeißen alles, was wir auf den Weiden nicht haben wollen."

Zukunftsbauern Sven Steiert und Julie Kosak: Cow-Funding auf dem Maierhof in Freiburg-Kappel (Foto: SWR)
Zukunftsbauern Sven Steiert und Julie Kosak: Cow-Funding auf dem Maierhof in Freiburg-Kappel

Für die Zukunft haben sie auch schon Pläne, Julie Kosak und Sven Steiert: kleine Ferienhäuser für Rucksack-Touristen - und Sven würde gerne noch Wein anbauen. Langweilig wird es den beiden Zukunftsbauern also bestimmt nicht auf dem Maierhof in Freiburg-Kappel.

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