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Die Impfkampagne im Land ist in vollem Gang, auch in den südbadischen Impfzentren herrscht reger Betrieb. Doch wie lange noch? Eigentlich sollte Mitte August Schluss sein.

Freundlicher Empfang im Kreisimpfzentrum in Emmendingen. Einer Frau wird zunächst die Temperatur gemessen, dann wird sie zur Impfkabine geleitet. Professionelle Betreuung steht für Andrej Hog an erster Stelle. Der Leiter des Kreisimpfzentrums hat von Anfang an auf gutes Personal gesetzt. Das Kreisimpfzentrum hat seit Januar dazu beigetragen, dass im Landkreis Emmendingen bereits die Hälfte der Menschen erstgeimpft ist. So viel wie nirgendwo sonst in Baden-Württemberg. Trotzdem ist Hog nervös, denn er weiß nicht, wie lange das Impfzentrum noch existieren wird. 

"Wir versuchen vom Ministerium Woche für Woche eine verbindliche Aussage zu bekommen, ob wir tatsächlich am 15. August Feierabend machen oder ob es vielleicht doch länger gehen wird."

Verlängerter Betrieb könnte zu Personalengpässen führen

Ursprünglich war ein Betrieb bis Juni geplant. Dann hieß es Mitte August. Hog geht jetzt davon aus, dass die Impfzentren noch mindestens bis zum 30. September gebraucht werden. Die Unsicherheit ist auch für die Mitarbeitenden groß. Carmen Hirzel, die nebenbei noch in einer Praxis beschäftigt ist und das Emmendinger Impfzentrum seit der ersten Woche unterstützt, sieht für sich kein Problem. "Ich bin frei in meiner Zeiteinteilung. Ich kann noch eine längere Zeit mitmachen. Die Möglichkeit, sich hier zu engagieren und die Pandemie zu bekämpfen, das motiviert mich!" Andere hingegen, sagt sie, müssten in ihren alten Job zurück und könnten deshalb nicht weiter verlängern.

"Es gibt viele, die im Juli keine Zeit mehr haben, zum Beispiel, weil bei ihnen die Kurzarbeit endet." 

Impfzentren locken mit gutem Stundenlohn

Attraktiv ist natürlich die gute Bezahlung in den Impfzentren. Auch in Freiburg. Im Zentralen Impfzentrum hat Medizinstudentin Lisa Meid wahrscheinlich einen der begehrtesten und bestbezahlten Jobs für Studierende. Wer ein Physikum hat, verdient hier pro Stunde 25 Euro auf Honorarbasis, medizinische Fachangestellte sogar das Doppelte.

Diese Bezahlung soll auch dafür ausgleichen, dass jeder Tag im Impfzentrum eine neue Herausforderung sein kann. "Mit dem Astra-Impfstoff wurde zum Beispiel jeden Tag wieder alles auf den Kopf gestellt, weil es immer neue Studienergebnisse gab", so Meid. "Man muss sich immer informieren, weil die Menschen, die sich impfen lassen, natürlich auch Fragen stellen."

Zu wenig Vakzine: Impfungen laufen nur schleppend

Aktuell läuft der Betrieb. Aber unklar ist trotzdem oft, welchen Impfstoff es am nächsten Tag gibt. Denn dieser ist nach wie vor Mangelware. So können am Freiburger Impfzentrum derzeit fast nur Zweitimpfungen stattfinden. Viele Impfzentren in Baden-Württemberg arbeiten aufgrund der fehlenden Impfstoffe nur mit 60 Prozent ihrer möglichen Kapazitäten.

Langfristige Planungen sind kaum möglich

Frustrierend sei das, sagt auch Daniel Strowitzki von der Freiburger Messe, dem Standort des Impfzentrums. Eine langfristige Planung sei so kaum möglich: "Derzeitiger Stand ist, dass wir am 16. August wieder alles umbauen, um uns wieder auf die Herbstsaison der Messe vorzubereiten."

Zentrales Impfzentrum in Freiburg: Wann hier wieder Messen stattfinden können, ist unklar. (Foto: SWR, Maja Rollberg)
Zentrales Impfzentrum in Freiburg: Wann hier wieder Messen stattfinden können, ist unklar. Maja Rollberg

Doch das Fragezeichen ist groß. Vielleicht kommt doch alles anders und die Messen müssen verschoben werden. Möglich auch, dass man das Impfpersonal noch auf unbestimmte Zeit braucht.

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