STAND

Raphael Hildebrandt aus Oberharmersbach war 1995 der erste, der den örtlichen Pfarrer wegen Missbrauchs anzeigte. Die ganze Dimension des Skandals kam aber erst vor genau zehn Jahren ans Licht.

Dauer

Im Januar 2010 machte Pater Klaus Mertes, heute Leiter des Jesuitenkollegs in St. Blasien (Kreis Waldshut), in Berlin mehrere Fälle publik und löste damit eine Aufklärungswelle aus. Eine Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz zählt rund 3.700 dokumentierte Missbrauchsfälle zwischen 1946 und 2014 auf. Die Dunkelziffer wird auf ein Vielfaches höher geschätzt. Inzwischen gibt es psychologische Hilfen und Entschädigungen für die Opfer.

Raphael Hildebrandt aus Oberharmersbach im Ortenaukreis wurde als Kind vom örtlichen Pfarrer hundertfach missbraucht. Er leidet noch heute an den Folgen. Die 30.000 Euro, die ihm die Kirche als Entschädigung überwiesen hat, empfindet er als nicht mal annähernd genug. Er will weiter um eine angemessene Wiedergutmachung kämpfen. Unterdessen meldeten sich immer mehr andere Missbrauchsopfer bei ihm, erzählt er. Auch das zeigt ihm: Die Aufarbeitung ist noch lange nicht zuende.

STAND
AUTOR/IN