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Seit 2010 gibt es in Villingen-Schwenningen eine Babyklappe. Seitdem wurden vier Babys dort abgelegt. Für verzweifelte Mütter gibt es aber auch eine Alternative.

Auslöser war der tragische Fund im Wald bei Engen (Kreis Konstanz) 2009. Dort – 40 Kilometer von Villingen-Schwenningen entfernt – lag ein neugeborenes Mädchen tot in einer Plastiktüte. Seitdem es die Babyklappe am Franziskusheim im Stadtbezirk Schwenningen gibt, wurden dort vier Neugeborene hineingelegt und später zur Adoption freigegeben. Die Babyklappe ist eine von wenigen im ländlichen Raum. Weitere in Baden-Württemberg gibt es unter anderem in Karlsruhe, Stuttgart, Friedrichshafen und Lörrach.

Babyklappe in Villingen-Schwenningen (Foto: SWR, Magdalena Knöller)
Die Babyklappe in Villingen-Schwenningen gibt es seit zehn Jahren. Magdalena Knöller

"Das ganze Heim wird für einen Moment Mama"

"Wenn der Alarm der Babyklappe angeht und ein Baby drinliegt, wird das ganze Haus für einen Moment Mama", sagt Sindia Keller, Altenpflegerin im Franziskusheim. Sie und ihre Kollegen kümmern sich in den ersten Minuten um das Baby, bis es in die Kinderklinik gebracht wird. Dann übernimmt das Jugendamt und sucht nach Pflegeeltern und später auch nach Adoptiveltern für das Kind. Betrieben wird die Klappe von der Stiftung ProKids.

Alternative "vertrauliche Geburt"

"Ich glaube, es ist eine sehr bewusste Entscheidung", sagt Kinderarzt Matthias Henschen. Er hoffe aber, dass mehr Eltern die so genannte vertrauliche Geburt als Alternative für sich wählten. Die vertrauliche Geburt ermöglicht Frauen, mithilfe von Ärzten in der Klinik ihr Kind zur Welt zu bringen. Anschließend hinterlassen die Mütter ihre persönlichen Daten für das Kind. Mit 16 Jahren kann es so dann mehr über seine Herkunft erfahren. Die Babyklappe könne und solle für schwangere Frauen nur ein letzter Ausweg sein, sagt der Kinderarzt.

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