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In diesem Jahr sind in Wäldern und Wiesen offenbar besonders viele Zecken unterwegs. Das liegt am feucht-warmen Wetter und wohl auch am milderen Klima.

Ganz Baden-Württemberg gilt ja ohnehin als Risikogebiet für die gefährlichen, von Zecken übertragenen FSME-Erreger. Vor allem aber die Zahl der Borreliose-Erkrankungen nimmt nach Angaben der AOK Baden-Württemberg seit Jahren zu.

Warum gibt es derzeit so viele Zecken?

Der milde Winter und das warme, später feuchte Frühjahr haben die Zecken diesmal besonders munter gemacht. Bei Temperaturen ab sieben Grad wird der gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart hierzulande, aktiv. Und auch die Menschen sind wegen des zunehmend wärmeren Klimas aktiver und öfter in Wald und Wiesen unterwegs - ganz besonders während dem Corona-Lockdown.

Erwachsene Zecken besonders gefährlich

Bei Stichproben stellten Forscher der Uni Hohenheim in diesem Jahr eine deutliche Zunahme vor allem von erwachsenen Tieren fest. Bis zu sechs Jahre alt wird der gemeine Holzbock. Erwachsene Zecken tragen besonders häufig Krankheitserreger wie Borrelien in sich. Diese Bakterien lösen bei ein bis drei Prozent aller Zeckenstich-Opfer eine Erkrankung aus. Mit dem gefürchteten FSME-Virus steckten sich dagegen nur rund 160 Menschen an.

Eine Zecke krabbelt an einem Grashalm hoch. (Foto: SWR)
Sie krabbeln wieder. Im hohen Gras oder am Waldboden fühlen sich Zecken am wohlsten und lauern geduldig auf ihre Opfer.

Zeckenstich kann zu Borreliose und Sprachstörungen führen

Astrid Breinliger liebt die Gartenarbeit immer noch. Obwohl im Garten die schlimmste Zeit ihres Lebens begonnen hat. Nach einem Zeckenstich bildete sich an ihrem Bein eine sogenannte Wanderröte. Mehr als zehn Jahre lang hatte sie mit einer chronischen Borreliose zu kämpfen: entzündete Gelenke, Rückenschmerzen, phasenweise Gedächtnis- und Sprachstörungen.

"Und dann die Nervenschmerzen. Das heißt: Schmerzen in den Oberschenkeln hinunter bis in die Fußspitzen. Nachts wenn ich gelegen bin und nicht schlafen konnte, bin ich nur noch durch die Wohnung gelaufen, um diesen Schmerz auszuhalten."

Astrid Breinlinger
Borreliose, Zecken (Foto: SWR)
Borreliose manifestiert sich bei der Mehrzahl der Patienten durch die sogenannte Wanderröte auf der Haut.

Dennoch wurde die Borreliose zu spät diagnostiziert. Erst nach mehr als zehn Jahren bekam sie die Krankheit mit einer langwierigen Antibiotika-Behandlung in den Griff.

Rund 34.000 Borreliose-Patienten zählte die Kassenärztliche Vereinigung letztes Jahr in Baden-Württemberg. In der Freiburger Uniklinik hat die Zahl der Neuro-Borreliose-Fälle stark zugenommen. Viele Infektionen bleiben zunächst unentdeckt, weil die Betroffenen den Zeckenstich nicht bemerken. Rechtzeitig entdeckt, ist eine Borreliose aber gut behandelbar - im Gegensatz zur gefürchteten FSME-Infektion.

"FSME ist hinsichtlich des Verlaufes und der Komplikationsraten - dem Risiko, bleibende Gesundheitsschäden davonzutragen - viel gefährlicher als die Borreliose, ist aber auch natürlich viel seltener."

Prof. Sebastian Rauer, Neurologe an der Uni-Klinik Freiburg

Wie kann ich mich vor Zecken schützen?

Vor dem FSME-Virus schützt eine Impfung. Gegen Borreliose gibt es bislang keinen Impfstoff. Duftsprays, sogenannte Repellentien, können Zecken nur begrenzt und für kurze Zeit fernhalten.

Der Kopf einer Zecke steckt bereits in der Haut. (Foto: SWR)
Die Zecke sollte schnellstmöglich entfernt werden. Schwierig wird es, wenn sie sich bereits in die Haut gebohrt hat.

Wenn sich die Zecke einmal festgestochen hat, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden. Nur wie? Die Zecke setzt sich mit ihrem Beiß- bzw. Stichwerkzeug am Kopf in der Haut fest. Wichtig sei deshalb, so der Neurologe Sebastian Rauer, dass der Leib der Zecke beim Entfernen nicht zusammengedrückt werde. Denn dann würden eventuell Viren oder Bakterien injiziert werden. Das sollte unbedingt vermieden werden.

Der wirksamste Schutz im warmen Sommer ist leider immer noch: Möglichst wenig Haut zeigen. Und natürlich: Sich nach der Tour durch Wald und Wiese gründlich nach Zecken absuchen.

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