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Mächtige Stämme, knorrige Rinde, ausladende Kronen - seit mehr als 400 Jahren sind die Wolfseichen im Bad Säckinger Wald verwurzelt. Vier Baumgiganten und ihre Lebensgeschichten.

Der Stamm der stärksten Eiche in Bad Säckingen hat einen Durchmesser von 1,80 Meter. Jede Wolfseiche ragt 30 Meter in den Himmel. Alle vier Eichen übereinander würden also die Spitze des Freiburger Münsters erklimmen. Ihre ausladende Krone strecken sich weit in den Himmel und das Blattwerk bedeckt eine Fläche von rund 30 Metern. Der Hüter dieser Bäume ist Stadtförster Gabriel Hieke.

"Man hat eine Ehrfurcht, dass Lebewesen so alt sind und immer noch so vital im Wald stehen können."

Gabriel Hieke, Stadtförster in Bad Säckingen

Auch Ralf Göhrig, Sprecher des Waldshuter Kreisforstamtes, ist von den Baumriesen fasziniert: "Mit Glück habe ich ein Revier 40 Jahre und die Bäume sind jetzt 400 Jahre. Das sind einige Förster-Generationen. Da steht man wirklich nur ehrfürchtig davor und freut sich an solchen großen Bäumen." Vor allem wenn man überlegt, was die vier Riesen schon alles gesehen und erlebt haben. Sie stehen da, als hätten die Zeit und der Mensch sie vergessen. Ralf Göhrig erklärt, man habe bis vor 200 Jahren Wald anders bewirtschaftet als heute. Die Leute damals hätten alle 30 Jahre den kompletten Bewuchs umgesägt. Allerdings: Weil man auch Bauholz und Möbelholz brauchte, habe man besonders schöne Eichen stehen lassen - vielleicht 150 oder 100 Jahre - und habe sie dann genutzt.

Urbäume bietet Zuhause für unzählige Tiere

Die Wolfseichen wurden offenbar vergessen und nach dem neuen Verständnis von Waldbau stehen gelassen. Sie entwickelten riesige Kronen, die abgefallenen Eicheln dienten früher der Schweinemast. Und auch heute finden zahlreiche Arten hier ihre Nahrung. "Die Wildschweine kommen zum Fressen her, auch Eichhörnchen. Die eigentliche Vielfalt spielt sich im Totholz des Baumes ab, in den Flechten, an den Moosen, die an dem Baum wachsen. Und im Speziellen in den Tothölzern, die im Kronenbereich sind. Lebensraum für wahnsinnig viele Insekten, Pilze, Flechten und Moosarten", erzählt Stadtförster Gabriel Hieke.

Wolfseichen sind Naturdenkmal

Drei der vier alten Wolfseichen gelten inzwischen als Naturdenkmal und stehen unter besonderem Schutz. Auch wenn in ihnen noch viel Leben herrscht, die Bäume selbst sind vom Alter und der Trockenheit der letzten Jahre gezeichnet. Können die Bäume überhaupt nochmal 500 Jahre alt werden? "Ja", sagt Gabriel Hieke. "Wenn kein Sturm kommt, der sie umhaut. Wenn kein Schnee sie umdrückt, dann können die nochmal 500 Jahre alt werden. Von unserer Planung her kann das gerne vorkommen."

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