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In Merzhausen bei Freiburg wurde diese Woche ein Schaf gerissen. In Waldshut-Tiengen gab es ebenfalls drei getötete Schafe. Ob es ein Wolf war, wird derzeit noch untersucht. Fest steht aber, der Wolf ist da. Das Umweltministerium hat deshalb eine Infokampagne gestartet.

Das Interesse am Thema ist groß. 120 Interessierte verfolgten von ihren Bildschirmen aus die erste von zwei Onlinekonferenzen zum Thema Wolf. "Wir wollen informieren und die Debatte versachlichen und Ihnen zuhören mit Ihren Ängsten und Erwartungen", verspricht Karl-Heinz Lieber vom Umweltministerium in Stuttgart. Derzeit leben 350 erwachsene Wölfe in Deutschland, zwei davon im Schwarzwald. GW 852 und GW 1129 – so ihre Namen. Letzterer hat sich den Schluchsee als Heimat ausgesucht.

Der Wolf wird nicht allein bleiben

Die Experten gehen davon aus, dass sich die beiden Wölfe im Schwarzwald in ein bis zwei Jahren vermehren werden, dann könnte es hier Rudel geben. Wie viele kommen, hängt auch vom Platzangebot ab. Ein Wolf beansprucht mit seiner Familie immerhin ein bis zu 250 Quadratkilometer großes Revier. Mit einem neuen sogenannten Wolfsmanagementplan wolle das Umweltministerium die Ausbreitung des Neuankömmlings nun genau beobachten und notfalls auch eingreifen, so Lieber. "Wir betreiben Herdenschutz und wir unterstützen Tierhalter. Und wir sind auch für den Extremfall, dass ein Wolf getötet werden muss, gerüstet."

Ein Wolf in einem Gehege (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Bernd Thissen/dpa)
Ein Wolf in einem Gehege (Symbolbild) picture alliance/Bernd Thissen/dpa

Jäger fürchten um Wildbestände

Untersuchungen zufolge ernährt sich der Wolf zu 90 Prozent von Wild. Die Folgen seien je nach Jagdrevier verschieden, erläutert Laura Huber Eustachi von der Forstlichen Versuchsanstalt. "Die Jäger werden sich fragen, wenn der Wolf so viele Rehe frisst, wie sieht das dann mit den Wildbeständen aus? Hier müsse man wissen, dass jede Region anders ist und sich Studienergebnisse nicht einfach übertragen lassen".

EU sieht Herdenschutz nicht in Gefahr

Neben den Jägern sorgen sich vor allem die Halter von Ziegen, Schafen und Rindern. Die Tiere stehen oft in kleinen Gruppen auf Weiden und halten die Landschaft frei: wichtig für Tourismus und Landschaftsschutz. Ob der Wolf wichtiger sei als andere Arten, fragt ein Naturschützer? Karl-Heinz Lieber vom Umweltministerium verweist auf die EU-Kommission. Diese sehe zwar den Konflikt, halte aber ein Nebeneinander von Wolf und Weidehaltung für möglich und habe deshalb verboten, "wolfsfreie" Regionen auszurufen.

Wolfsschutz ist letztendlich eine ethische Frage

Aus diesem Grund finanziert das Land die Anschaffung und den Aufbau von Schutzzäunen zu 100 Prozent. Ob diese überhaupt funktionieren, wie hoch der bürokratische Aufwand dafür ist und wie Wanderer, Mountainbiker und Wildtiere mit den zusätzlichen Zäunen leben, bleibe allerdings abzuwarten. Laura Huber-Enstachi von der Forstlichen Versuchsanstalt des Landes sagt, dass der Wolf nun eben einmal da sei. "Er ist einfach ungefragt gekommen", so die Wildtierexpertin. Und deshalb müsse man ihn auch schützen: "Täten wir das nicht, könnten wir von anderen Kulturen auch nicht den Schutz ihrer Wildtiere fordern". Am Ende sei der Wolfsschutz also auch eine ethische Frage. Auch deshalb, so das Fazit der Onlinekonferenz, müsse man im Schwarzwald lernen, mit dem Wolf zu leben.

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