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Corona belastet nicht nur die Wirtschaft, auch der Betrieb sozialer Einrichtungen läuft auf Sparflamme oder ist eingestellt. Nun hat der Bundestag staatliche Finanzhilfen genehmigt.

Das Freiburger Second-Hand-Kaufhaus "Spinnwebe" ist geschlossen. Hier, wo normalerweise gebrauchte Möbel und sonstige Haushaltswaren günstig verkauft werden, steht wegen Corona seit einer Woche die Kasse still. "Seither haben wir die gleichen Probleme wie jeder andere Gewerbetreibende", sagt Jochen Pfisterer, Geschäftsführer der Diakonie Freiburg, dem Träger der Spinnwebe. "Unser Kaufhaus ist nicht geöffnet, die Kosten laufen weiter und wir haben keine Einnahmen", so Pfisterer.

13 Hauptamtliche und 50 Langzeitarbeitslose betroffen

Neben dreizehn Hauptamtlichen arbeiten in dem Kaufhaus rund 50 Langzeitarbeitslose. Derzeit seien sie noch im Lager beschäftigt, aber nicht mehr lange: "Schlussendlich bedeutet das für die Menschen natürlich, dass ihr Tagesablauf unterbrochen ist. Die Wiedereingliederung und damit auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind damit unterbrochen und gegebenenfalls auch gefährdet."

Freiburger Sozialkaufhaus Spinnwebe von außen (Foto: Diakonisches Werk Freiburg)
Freiburger Sozialkaufhaus Spinnwebe Diakonisches Werk Freiburg

Soziale Einrichtungen von Insolvenz bedroht

Den Einrichtungen der freien Wohlfahrt steht aktuell das Wasser bis zum Hals. Die Einnahmen brechen weg, Zuschüsse stehen in Frage. Besonders betroffen sind auch Einrichtungen für Suchtkranke, Obdachlose, Geflüchtete oder Menschen mit Behinderung.

Rettungsschirm der Bundesregierung lässt die freien Träger aufatmen

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes Peter Neher hält die Hilfen für absolut notwendig, "weil damit sichergestellt ist, dass dann auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehalten werden können, auch wenn sie derzeit keine Leistung erbringen können, weil eben die Aufgaben wegbrechen. Aber wir hoffen ja auch, dass es eine Zeit nach Corona gibt. Und dann brauchen wir diese Dienste und Einrichtungen mehr denn je!"

Rettungsschirm für Soziale Dienste absolut notwendig

Dass Caritas, Diakonie und andere Wohlfahrt-Organisationen unter den Rettungsschirm fallen, war nicht selbstverständlich. Ursprünglich sollten die Hilfsgelder nur für die freie Wirtschaft fließen. "Wenn die freie Wohlfahrtspflege nicht bedacht worden wäre, hätte es sein können, dass innerhalb der nächsten zwei Monate eine große Zahl an Einrichtungen und Diensten Pleite gegangen wären", ist Neher überzeugt. Pleiten bei sozialen Trägern können nun wohl vorerst abgewendet werden.

Trotz Erleichterung keine Entwarnung bei "Spinnwebe"

Jochen Pfisterer vom Diakonischen Werk Freiburg ist erleichtert. Der Bestand des Freiburger Secondhand-Kaufhauses "Spinnwebe" und der anderen Angebote scheint gesichert. Jetzt geht es darum, Zuschüsse und Entschädigungen zu beantragen. Entwarnung gibt es aber noch nicht: "Unser größtes Problem ist im Moment, dass unsere Mitarbeitenden gesund bleiben. Unsere Hauptsorge ist die Gesundheit."

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