Omikron (Foto: SWR)

Omikron oder Delta?

Ein Freiburger und das Wirrwarr um die Corona-Quarantäne-Regeln

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Paula Kersten, Anita Westrup
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Dorothee Soboll

Wer positiv auf das Corona-Virus getestet wird, muss in Quarantäne. Aber wie lange eigentlich? Zehn Tage, zwei Wochen oder nur eine? Das kommt auf die Variante an.

Wer nicht mit der Omikron-Variante infiziert und vollständig geimpft ist, kann sich nach einer Woche "freitesten", dazu reicht ein Antigen-Schnelltest. Aber dazu müssten die Betroffenen erst einmal wissen, mit welcher Variante sie überhaupt infiziert sind. Und das herauszufinden ist manchmal gar nicht so einfach, wie ein Beispiel aus Freiburg zeigt. Christophe und seine Freundin Hannah sind seit fast einer Woche in Quarantäne - in seinem ehemaligen Kinderzimmer.

"Heute ist es Puzzle-Zimmer, morgen Schreibtisch und übermorgen Backgammon-Zentrum."

Christophe stammt aus Freiburg und studiert wie seine Freundin in Würzburg. Eigentlich wollte er nur über die Feiertage zu seinen Eltern fahren und Hannah sollte zu Besuch kommen. Dann kam der positive PCR-Test und damit die Unsicherheit. "Ich habe keine Informationen vom Amt und keine Informationen vom Labor außer dem positiven Testergebnis", sagt Christophe. "Ich weiß, dass man mit Omikron momentan noch länger in Quarantäne bleiben muss und erwarte dementsprechend eine Nachricht vom Amt oder vom Gesundheitsministerium." Doch bisher: nichts.

Absondern und freitesten - aber nicht bei Omikron

Momentan gilt in Baden-Württemberg: Wer mit einem PCR-Test positiv getestet wird, muss zehn Tage lang in Quarantäne. Geimpfte oder vollständig genesene Kontaktpersonen - also im Fall von Christophe und Hannah zum Beispiel Mutter und Vater - müssen nicht in Quarantäne, ungeimpfte Kontaktpersonen müssen sich dagegen 14 Tage lang absondern. Nach einer Woche können sich aber alle Betroffenen mit Schnelltest freitesten. Das alles ändert sich schlagartig, wenn die ansteckendere Omikron-Variante festgestellt wird. Dann kann sich niemand freitesten und auch immunisierte Kontaktpersonen müssen in Quarantäne. Um sich entsprechend zu verhalten, müsste Christophe aber erstmal wissen, ob er sich mit der Omikron-Variante infiziert hat.

Der Radio-Beitrag zum Nachhören

"Stand jetzt wollen wir versuchen, uns nach sieben Tagen rauszutesten. Dementsprechend müssen wir abwarten, wie das PCR-Testergebnis ist, ob sich das Amt nochmal meldet."

Um herauszufinden, warum der Student noch auf Informationen zur Virus-Variante wartet, hilft ein Anruf im Labor MVZ Clotten in Freiburg weiter. Dort werden PCR-Tests ausgewertet. Allerdings stellt sich heraus, dass überhaupt nur ein gutes Viertel der positiven Tests auf die Virus-Variante überprüft wird. 20 bis 25 Prozent heißt es im Labor, mehr sei wegen der fehlenden Kapazität schlicht nicht möglich. Landesweit werden laut Landesgesundheitsamt etwa 50 Prozent aller positiven PCR-Tests auf die Virusvariante untersucht. Es kann also sein, dass Christophe mit Omikron infiziert ist, es aber nie erfährt - einfach, weil seine Probe nicht auf Varianten getestet wurde.

Auszuschließen sei Omikron nicht, so das Gesundheitsamt

Dazu sagt der Leiter des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart, Gottfried Roller, auf SWR-Nachfrage: "Letztendlich liegt eine Situation vor, wo Sie nicht ausschließen können, wenn jemand nicht näher analysiert wird, dass ein solcher Fall entgeht."

Labor übermittelt Befund ans Gesundheitsamt

Zurück zum Labor Clotten in Freiburg. Angenommen, Christophes positiver PCR-Test kommt dort in den Variantentest und angenommen, es besteht ein Verdacht auf die Omikron-Variante: Dann übermittelt das Labor den Befund an das Gesundheitsamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Das dauert zwei bis drei Tage.

Kontakt zu Betroffenen nur bei Verdacht auf Omikron

Dann würde sich das Gesundheitsamt mit Christophe in Verbindung setzten. Und zwar ausschließlich, wenn Verdacht auf Omikron besteht. In einer schriftlichen Stellungnahme des Gesundheitsamtes Breisgau-Hochschwarzwald heißt es dazu: "Das aktuelle Nachverfolgungskonzept des Landes Baden-Württemberg sieht vor, dass eine regelmäßige Nachverfolgung durch die Gesundheitsämter nicht mehr regelmäßig erfolgt. Dies führt dazu, dass positiv getestete Personen derzeit nicht unbedingt vom Gesundheitsamt kontaktiert werden, allenfalls es liegt ein konkreter Verdacht auf Omikron vor." Christophe musste sich alle Informationen selbst zusammensuchen.

"Ich hätte mir natürlich schon irgendwie einen Ansprechpartner gewünscht. Sei's ein kurzer Anruf oder eine automatisierte SMS oder eine automatisierte Mail. So fühlt man sich schon ein bisschen allein gelassen mit der Krankheit."

"Wir haben uns wenigstens noch gegenseitig, aber so komplett alleine ist das dann bestimmt auch nochmal schwieriger", ergänzt er.

Am Freitag, 7.1.2022, soll auf der Bund-Länder-Konferenz unter anderem über neue Quarantäne-Regeln beraten werden. Die Quarantänedauer könnte verkürzt werden. So soll vermieden werden, dass wegen Quarantänemaßnahmen massenhaft Personal wegbricht, zum Beispiel in der Pflege. In der Wissenschaft findet diese Idee durchaus Zuspruch. Auch das Freitesten müsse diskutiert werden, heißt es aus dem Landesgesundheitsamt. Das Amt geht davon aus, dass in Kürze ohnehin ausschließlich Omikron-Fälle auftreten werden.

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