Stromlücke in Frankreich könnte für Deutschland zum Problem werden (Foto: SWR)

Nachbarland hat hohen Bedarf an Strom

Wird die französische Stromlücke für Deutschland zum Problem?

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AUTOR/IN
Jessica Hans und Marleen Beisheim

Auch wegen Wartungsarbeiten laufen aktuell nur 40 Prozent der AKWs in Frankreich. Ändert sich das bis zum Winter nicht, muss Deutschland massiv Strom liefern.

Mit 56 AKWs gilt Frankreich als größter Erzeuger und Exporteur von Atomstrom in Europa. Doch viele der Anlagen sind in die Jahre gekommen und derzeit aufgrund von Wartungsarbeiten oder Kontrollen außer Betrieb. Frankreich ist selbst auf Stromlieferungen angewiesen statt Strom zu verteilen. Auch Deutschland exportiert ins Nachbarland. Aufgrund des drohenden russischen Gas-Stopps könnte aber auch hierzulande der Strom zur Mangelware werden.

Heizen in Frankreichs Haushalten benötigt viel Strom

Weil die Mehrheit in Frankreich mit billigem Atomstrom heizt, ist das Land zwar unabhängiger von russischem Gas, hat jedoch einen hohen Strombedarf. Aktuell ächzen die französischen Kernkraftwerke außerdem unter der extremen Hitze. Einige mussten ihre Leistung herunterfahren, da sie ihre Reaktoren nicht mehr kühlen konnten. Andere Anlagen wurden aufgrund von Korrosionsschäden vorübergehend vom Netz genommen.

Stromlücke in Frankreich könnte für Deutschland zum Problem werden (Foto: SWR)
Der Schaltraum eines heruntergefahrenen französischen AKW

Enge Abstimmung zwischen Deutschland und Frankreich erforderlich

Auf der deutschen Rheinseite sieht man das mit Sorge, wie etwa Klaus Schüle von der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit: "Die französische Seite sagt, dass sie es im Griff hat, dass sie auch die Schäden aufarbeiten und dann auch bald wieder in Betrieb gehen." Er glaubt allerdings, dass das ein schwieriger Prozess werden könnte: "Und deswegen muss man sich, glaube ich, im Augenblick besonders eng abstimmen zwischen Deutschland und Frankreich."

Deutsche Windenergie im Plus - reicht das auch für Frankreich?

In den vergangenen Jahren hat Deutschland Atomstrom aus Frankreich importiert. Dieses Jahr ist es andersherum: Deutschland exportiert Windenergie nach Frankreich. Die deutsche Windenergie verzeichnete dieses Jahr einen Überschuss und konnte für Frankreich in die Bresche springen.

Mit einem zweiten, verschärften Stresstest will die Bundesregierung nun herausfinden, ob im Winter die Stromversorgung deutschlandweit sichergestellt ist. Der Stresstest soll auch zeigen, ob Deutschland weiterhin Strom nach Frankreich exportieren kann, wenn sich dort die Lage zuspitzt - zum Beispiel im Falle eines noch gravierenderen Ausfalls französischer Kraftwerke.

Stromlücke in Frankreich könnte für Deutschland zum Problem werden (Foto: SWR)
Von deutschen Windenergie-Überschüssen kann Frankreich profitieren - noch.

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