Geschützte Wildtiere vermehren sich wieder

Frau findet Wildkatzenbabys beim Opfinger See

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AUTOR/IN
Paula Zeiler
ONLINEFASSUNG
Gabi Krings

Eine Frau hat in der Nähe von Freiburg drei Katzenbabys gefunden. Sie dachte, die Tiere seien ausgesetzt worden und nahm sie mit. Was sie nicht wusste: Es handelte sich um Wildkatzenjunge.

Beim Joggen in der Nähe des Opfinger Sees bei Freiburg hat Vera Tecklenborg an einem Wegesrand drei kleine Katzen entdeckt: durchnässt und hungrig. Erst wusste die Lehrerin nicht, was sie tun sollte. Dann entschloss sie sich, die Tierkinder mitzunehmen, denn sie hielt sie für ausgesetzte Hauskatzen.

Fauchen war etwas merkwürdig

Dass die Kätzchen sie anfauchten, kam ihr zunächst zwar seltsam vor, doch dann fand sie dafür eine logische Erklärung. "Ich habe gedacht, dass ist eine total normale Reaktion für Katzen, die ausgesetzt worden sind. Wer weiß, wie lange die ohne Essen und Trinken hier rumgebracht haben. Dann müssen die sich ja verteidigen."

Verdacht: vielleicht doch keine Hauskatzen?

Zu Hause fütterte und wärmte Vera Tecklenborg zusammen mit einer guten Freundin die Katzenbabys. Immer mehr Hinweise sprachen aber dagegen, dass es tatsächlich ganz normale Hauskatzen waren.

"Da war es dann schon so, dass viele Charaktermerkmale oder optische Merkmale schon gezeigt haben, dass es Wildkatzen sein könnten, weil sie so eine rosa Nase hatten und weiße Barthaare und vor allem die Maserung am Rücken und am Schwanz.“

Tierheim gibt Gewissheit: Findelkinder sind Wildkatzen

Vera Tecklenborg wollte schließlich Gewissheit und brachte die Katzen ins Tierheim nach Freiburg-Lehen. Dort wurde ihr schnell bestätigt, dass es sich bei den jungen Katzen definitiv um Wildkatzenbabies handelte.

„Dann kam der Gedanke, ob ich mich jetzt strafbar gemacht habe. Habe ich einer Mutter jetzt die Babies weggenommen. Hätte ich noch besser suchen sollen?“

Verständnis für Rettungsaktion

Natürlich bekam Vera Tecklenborg für Ihre gutgemeinte Hilfsaktion keinen Ärger. Sabrina Streif von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg hat grundsätzlich Verständnis dafür. Denn wie sich Wildtiere verhalten und in welchen Fällen sie wirklich Hilfe bräuchten, wüssten die wenigsten Menschen, so die Wildkatzen-Expertin.

„Das ist ganz normal, dass Tierkinder allein gelassen werden. Das Muttertier ist unterwegs und holt Nahrung. Das ist ein natürlicher Prozess, da ist vom Menschen erstmal nichts zu tun.“

Sabrina Streif rät, in solchen Fällen die Lage länger zu beobachten. Man sollte am nächsten Tag wiederkommen und nachschauen, ob die Tierjungen immer noch da sind. Je nach dem könnte man sich dann an die Wildtierbeauftragten der Region wenden, die im Internet beim Wildtierportal Baden-Württemberg aufgeführt sind. Dort findet man auch für den jeweiligen Landkreis die entsprechende Ansprechperson.

Wildkatzen-Population steigt langsam wieder

Nachdem Wildkatzen in Baden-Württemberg und in Südbaden lange als ausgestorben galten, breiten sie sich aktuell langsam wieder aus. Die Population steigt und immer wieder gibt es Wildkatzensichtungen. Und auch Katzenbabys werden immer wieder gefunden: "Wir haben jedes Jahr Wildkatzen-Findelkinder, um die wir uns irgendwie kümmern müssen und die später wieder ausgewildert werden müssen. In diesem Jahr ist das tatsächlich schon der dritte Fall.“

Opfinger See: Keine Spur vom Muttertier

Nicht selten bleibe die Katzenmutter verschwunden. Auch im Fall der Katzenbabies, die Vera Tecklenborg beim Opfinger See gefunden hat. Vom Muttertier fehlt weiterhin jeder Spur. Sehr wahrscheinlich hätten die erst vier Wochen alten Raubtiere ohne menschliche Hilfe nicht überlebt, meint die Wild-Expertin Sabrina Streif. Vera Tecklenborg hat den Wildkatzenjungen also sehr wahrscheinlich das Leben gerettet. Doch zuhause aufziehen will sie die kleinen Tiger dann doch lieber nicht. Wildkatzen sind bereits im Kindesalter aggressiv gegen Menschen und keinesfalls zum Schmusen aufgelegt. Deshalb haben die Katzengeschwister vorerst in der Wildtierstation "Tierart“ in der Nähe von Pirmasens (Rheinland-Pfalz) eine neue Heimat gefunden.

Abschied von den Katzenbabys: Die werden jetzt in eine Wildtierstation gebracht. (Foto: SWR, Paula Zeiler)
Abschied von den Katzenbabys: Die werden jetzt in eine Wildtierstation gebracht. Paula Zeiler

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