Ein Patient in einer Klinik (Foto: Imago, Joern Neumann)

Für wen ist eine Impfung bedenklich?

Angst vor der Impfung: Kirchzartenerin fühlt sich allein gelassen

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Anita Preußner hat schlimme Erfahrungen mit Impfungen gemacht. Nun fürchtet sie, ausgegrenzt zu werden. Doch bei wie vielen Menschen sprechen medizinische Gründe wirklich gegen eine Impfung?

Einige Zeit nach einer Diphtherie-Impfung ging es bei Anita Preußner los: Plötzlich konnte sie heiß und kalt nicht mehr richtig empfinden. Dann konnte sie nicht mehr greifen, hatte kein Gefühl mehr in den Fingerspitzen. "Zum Schluss war es so, dass ich bis zur Hüfte die Beine nicht mehr gefühlt habe", berichtet sie.

Kurz vor Weihnachten kam der Zusammenbruch. Anita Preußner konnte nicht mehr aufstehen. Sie kam ins Krankenhaus. Drei Jahre ist das her. Sie litt unter dem Guillain-Barré-Syndrom – kurz GBS. Eine sehr seltene, schwere neurologische Krankheit. Bei Preußner war sie eine Nebenwirkung der Impfung. Der Heilungsprozess sei langwierig gewesen, sagt sie, und fügt an: "Sie verstehen, dass man so eine Erfahrung nicht noch einmal machen möchte." Damals hätten ihr die Ärzte gesagt: Bitte gegen nichts mehr impfen lassen.

Der Alltag wird für Ungeimpfte zunehmend schwierig

Die Angst bei der 65-Jährigen ist groß, dass sie das alles noch einmal durchleben muss – wenn sie sich jetzt gegen Corona impfen lässt. Doch das stellt Preußner zunehmend vor Probleme: Durch die 3G-Regel braucht sie für vieles einen Test. Sie befürchtet, dadurch ausgegrenzt zu werden.

"Davor habe ich Angst, dass ich dauerhaft am kulturellen Leben, am Sport, an all diesen Dingen nicht mehr teilhaben darf."

Sie fühlt sich von der Politik, den Verantwortlichen für die Corona-Regeln, vergessen. Zahlreiche Briefe an die mit der Pandemie befassten Bundes- und Landesministerien blieben nach ihrer Auskunft unbeantwortet. Die Kirchzartenerin wünscht sich Ausnahmen von der Testpflicht für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen.

Aber wie groß ist diese Gruppe überhaupt? Nicht sehr groß, sagt Hartmut Hengel, Leiter des Instituts für Virologie an der Freiburger Uniklinik. Er schätzt den Anteil derer, die nicht geimpft werden können, auf unter ein Prozent.

"Wenn man das medizinisch betrachtet, muss man sagen: Das sind sehr wenige. Das sind Schwangere, das sind Personen, die eine akute Infektion haben. Und das sind Menschen, die eine bekannte, schwere Allergie gegen einen Inhaltsstoff der Corona-Impfstoffe vorliegt."

Und auch für Menschen, die allergisch reagieren, gibt es Lösungen. Für sie kann ein anderer Impfstoff verwendet werden. Aber was ist mit denen, die bereits schlimme Erfahrungen mit Impfungen gemacht haben, wie Anita Preußner? "Wenn sich jemand mit so einer Vorerfahrung nicht impfen lassen möchte, ist das zu respektieren", sagt Hengel; aus gutem Grund gebe es ja auch keine Impfpflicht. Aber er sagt auch: "Man muss sich natürlich vor Augen führen, dass diese Impfung lebensrettend ist." Selbst das Guillain-Barré-Syndrom sei keine Kontraindikation "für alle zukünftigen Impfungen".

Impfen oder nicht – für Menschen, wie Anita Preußner eine enorm schwere Entscheidung. Vor allem, wenn so viel davon abhängt, wie bei Corona.

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