Bleibt der restliche Giftmüll unter der Erde? (Foto: SWR, France3 Alsace)

Toxischer Müll

Weiter Streit um Stocamine: Brandbrief an Frankreichs Umweltministerin

STAND
AUTOR/IN
Owusu Künzel

Die französische Regierung plant, Giftmüll in den Salzstöcken von Stocamine zu versiegeln. Frédéric Bierry, der Präsident der Gebietskörperschaft Elsass kritisiert dies scharf.

In einem Brandbrief, der dem SWR vorliegt, fordert der Präsident der Gebietskörperschaft Elsass, Frédéric Bierry, von der französischen Umweltministerin Barbara Pompili eine Versiegelung der in den Salzstöcken von Stoccamine in Wittelsheim befindlichen giftigen Abfällen zu überdenken. Man habe aus der Presse erfahren, dass der Präfekt des Departements Haut-Rhin angewiesen worden sei, ein neues Genehmigungsverfahren mit öffentlicher Anhörung dazu einzuleiten. Diese Anweisung vom 28. Januar würde darüber hinaus die endgültige Lagerung der Abfälle im Block 15, wo am 10. September 2002 der Brand ausgebrochen war, genehmigen.

Risiken für das Grundwasser im Dreiländereck

Frédéric Bierry warnt in dem Schreiben vor ernsthaften Risiken für das Grundwasser im Rheinbecken. Dies stelle eines der wichtigsten Grundwasservorkommen in Europa dar. Somit bestünden auch Gefahren für die Gesundheit der Bewohner der Rheinebene in Frankreich, aber auch in Deutschland und der Schweiz.

Zwei Arbeiter in Schutzausrüstung in einem Stollen (Foto: FR3)
Arbeiter in der ehemaligen Kalimine Stocamine, in der immer noch giftiger Sondermüll lagert FR3

Viele Gründe sprechen gegen dauerhafte Lagerung von Giftmüll

Das Reversibilitätsversprechen würde nicht eingehalten, kritisiert Bierry, die Giftmülllagerung sei nicht genehmigt. Darüberhinaus erinnert er an viele weitere Argumente gegen eine dauerhafte Lagerung, die bereits vorgetragen wurden, beispielsweise die fehlende Kenntnis des genauen Inhalts der Behälter. Der Präsident der Gebietskörperschaft Elsass bringt in seinem Brief auch die Möglichkeit ins Spiel, Roboter zur Entfernung des giftigen Abfalls einzusetzen. Dies könne unterirdische Reinigungstechniken auch für andere Regionen voranbringen.

Proteste gegen die dauerhafte Einlagerung von Giftmüll in der Kalimine Stocamine (Foto: SWR, France3 Alsace)
Proteste gegen die dauerhafte Einlagerung von Giftmüll in der Kalimine Stocamine France3 Alsace

Kompromissvorschlag: Einen Teil des Giftmülls einschließen

Elsass-Präsident Bierry schlägt einen Kompromiss vor: Einerseits könnte der Teil des Stollens, der in schlechtem Zustand ist, versiegelt werden, insbesondere bei Block 15. Andererseits könnte der Giftmüll aus den Stollen in gutem Zustand herausgeholt werden. Block 15 sei bereits nach dem Brand von 2002 unzugänglich geworden. Daher sei es viel zu gefährlich, Menschen dort Müll herausholen zu lassen.

"Ein Großteil des Abfalls, mindestens die Hälfte, könnte aus dem Bergwerk geholt werden, was die Risiken für den Grundwasserspiegel erheblich mindern wird."

Andernfalls sehe er sich verpflichtet, die von der Europäischen Gemeinschaft des Elsass unternommenen energischen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bewohner des Rheinbeckens fortzusetzen.

BUND Südlicher Oberrhein will, dass alles rausgeholt wird

Stefan Auchter, dem Geschäftsführer des BUND Südlicher Oberrhein zufolge, handelt es sich bei Stocamine um eine unterirdische Zeitbombe. Die Menschen am Oberrhein seien zu Recht besorgt und verärgert. Die Einlagerung von Giftmüll in dem alten Bergwerk sei jederzeit reversibel, hieß es vor Inbetriebnahme, schon bald erwies sich diese Aussage als groteske Fehleinschätzung, sagte Auchter dem SWR. Es werde nur nichtbrennbarer Giftmüll eingelagert, hieß es damals, dieser habe sich nach wenigen Jahren selbst entzündet und mehrere Monate gebrannt. Klar sei seither: In den Stollen lagere nicht das, was deklariert wurde. Klar sei auch, dass über kurz oder lang Wasser eindringen und die Gifte ausschwemmen könnte.

"Für den BUND ist daher die einzige Lösung, das eingelagerte Material notfalls mit moderner Robotik komplett zurückzuholen und sicher endzulagern. Das jetzt aus Kostengründen zu verweigern, wird kommende Generationen mit Sicherheit vor deutlich gewaltigere Probleme stellen."

STAND
AUTOR/IN
Owusu Künzel