Weinlese in Glottertaler Steillagen: Gemeinschaftsarbeit mit Bergsteiger-Kompetenzen (Foto: SWR)

Harte Arbeit für edle Tropfen

Weinlese in Steillage: Glottertaler Winzer arbeiten wie Bergsteiger

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AUTOR/IN
Anita Westrup

Wochenlang haben sie in Steillagen der Glottertaler Weinberge geschuftet - fast alles von Hand. Ein Knochenjob für die Winzerinnen und Winzer vor Ort.

Rot oder weiß, süß und kugelrund - die Trauben im Glottertal sind reif für die Kelter. Doch die Weinlese im Glottertal ist alles andere als ein Spaziergang. Bevor hier etwas geerntet wird, müssen Jungwinzer Dominik und Simone erstmal ihre Bergsteiger-Kompetenzen unter Beweis stellen. Von klein auf, helfen sie mit, etwa beim "Roten Bur", einem der steilsten und höchsten Weinberge in Deutschland.

Oben angekommen, schon aus der Puste, oder? "Ja", sagt der Glottertäler Jungwinzer Dominik Herbstritt, "aber mit jahrelanger Erfahrung geht das schon. Da weiß man die Kräfte einzuteilen." Und seine Kollegin Simone Schwab ergänzt: "Ich bin groß geworden in den Reben, wir haben im Nebenerwerb Reben. Man wächst damit auf uns es hält einen auch fit."

Die einen arbeiten in der Winzergenossenschaft, die anderen helfen freiwillig mit, zum Beispiel als Ausgleich zum Job. Dominik Herbstritt arbeitet bei einer Unternehmensberatung, entwickelt künstliche Intelligenz für Produktionsprozesse. Aber der studierte Wirtschaftsingenieur ist mit den Reben seines Opas groß geworden und "wenn es ans Herbsten geht, dann hilft man halt, wo man kann."

In den Steillagen des Glottertals sind Vollernter chancenlos

Alles handverlesen und zeitaufwendig, der Vollernter kapituliert hier, zu steil, zu rutschig. Doch genau das ist für die Jungwinzerin Simone Schaab eine besondere Bindung im Gegensatz zu Weinbergen, die maschinell zu bewirtschaften sind: "Wir gucken dann doch noch liebevoll, gerade beim Entblättern, welches Blättle macht man weg, was ist für Traube gut, wo kommt Sonnenlicht her - das ist schon etwas Schönes."

Von der Traube bis zum Wein sind es viele Schritte und Handgriffe - jeder packt mit an, egal ob mit Anfang 20 oder Ende 70. Es ist eine schöne Gemeinschaft, jeder kann von jedem etwas lernen, das macht einfach froh, es wird gescherzt und man lernt im Grunde etwas fürs Leben - sind sie sich hier einig.

Kindergarten-Kinder helfen bei der Glottertaler Weinlese

Das mit dem Teamwork haben auch schon die Junior-Erntehelfer raus. Sie nennen sich "Wackelzähne" und "Wirbelwinde" und kommen aus einem benachbarten Kindergarten. Schon mit drei oder vier Jahren mittendrin bei der Weinlese - da werden bei Dominik Herbstritt die einen oder anderen Kindheitserinnerungen wach: "Mit dem Opa in den Rebberg gehen, zum Rebhisli und dann beim Arbeiten zuschauen - danach ein Wurstbrot und ein Glas Sprudel - oder Bratäpfel aus dem Lagerfeuer..."

Reift hier etwa die nächste Winzer-Generation heran? Nachwuchs wird auf jeden Fall dringend gesucht. Simone Schwaab ist froh, dass die Kleinen herangeführt werden, "weil wir haben die Problematik, wenn die Älteren nimmer können, dass die Jüngeren das nicht übernehmen wollen. Wenn dann jeder seinem Beruf und seinem Hobby nachgeht, dann ist so etwas gerade auf so kleinen Flächen im Nebenerwerb doch ein bisschen zeitaufwendiger."

Auch im Glottertal: Großer Einsatz für weniger Ertrag als sonst

Der Frost im Frühjahr hat den Glottertäler Trauben zugesetzt, die Jungwinzer bleiben trotzdem optimistisch: "Alle Trauben sehen gut aus, von der Durchfärbung her - die werden nachher zu Rotwein weiterverarbeitet. Die Öchsle müssten auch stimmen, der Zuckergehalt - doch zufrieden, zufrieden."

Zum Glücklich sein fehlt nur noch ein kleiner Schluck - mit Umdrehung für die Altwinzer, ohne für die Jungwinzer. Und dann Abfahrt zur Winzergenossenschaft. Die Kunst wird es jetzt sein, dieses steile Stückchen Schwarzwald aromatisch in die Flasche zu bringen.

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Anita Westrup